[Deutschland] Über die "Kunst der Rede" laberrhabarbern Wikipedias Autoren unglaubliche 18 Seiten lang. Die Kernaussage über die Rhetorik findet man allerdings schon im ersten Absatz: "Die Aufgabe der Rede ist es, den Zuhörer von einer Aussage zu überzeugen oder zu einer bestimmten Handlung zu bewegen." Tja, genau solche Versuche starten wir jeden Tag - nicht nur offiziell in den Medien, sondern auch zu Hause in der Familie, in der Schule und am Arbeitsplatz.
Doch wie oft klappt unser Gegenüber die Ohren zu, legt leicht überfordert Zeitung oder Schulbuch weg, schaltet genervt einen Radio- oder Fernseh-Sender um oder liest bestimmte Mails nicht zuende, wenn es zu viel Blabla wird. Wann das Maß voll ist, entscheidet jeder für sich selbst..
Angeblich soll es ja gute Zuhörer geben, die sich stundenlang berieseln lassen können von endlosen Wortketten, einem so genannten Schwall ins All, auch wenn nicht wirklich etwas Interessantes dabei ist oder ein Dialog ensteht. (Also, der Berieselte auch mal was sagen darf :-)
Doch wir bei HESSENMAGAZIN.de halten das für ein Gerücht, da wohl kaum jemand über genügend Konzentration und Aufnahmekapazität für so einen Vorgang verfügt :-)
Alternativ gibt es daneben immer die Möglichkeit, das, was man sagen möchte aufzuschreiben. In Häppchen wird auf diese Weise rübergebracht, was man loswerden möchte. Das Fernsehen produziert dafür Geschichten in leichtverdaulichen Serien, Schriftstellter füllen Bücher - unterteilt in Kapitel und einzelne umblätterbare Seiten.
Und die Möchtegern-Philosophen unter uns verfassen knackigkurze Sprüche fürs Poesiealbum, äh Facebook, die heutzutage eher auf Kalendern landen und als auf sinnigen Postkarten verschickt zu werden... Oder sie prangen höchst trendy auf rostigen Backblechen aufgemalt neben der Haustüre bzw. werden in WhatsApp an liebe Freunde verteilt.
Beklagenswert sind im Unterschied dazu die langatmigen Erklärungen wichtiger Angelegenheiten. Primus inter Pares (Erster unter Gleichen) ist oft eine Art Welterbesserer im Bereich Naturschutz / Umwelthilfe / Klimaschutz. Der Drang, andere zu überzeugen, verursacht anscheinend regelmäßig eine Überproduktion von Worten. Schade. Man würde es ja eigentlich gerne verstehen!
Beispiel gefällig?
BUND-Kommentar vom 12. November 2020
BUND lobt ARD-Nachhaltigkeitsbericht: Ein Anfang ist gemacht
Berlin. Anlässlich des heute vorgestellten ersten ARD-Nachhaltigkeitsberichts lobt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Einsatz des Medienverbunds für ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit im Programm und in den Unternehmen. In dem umfangreichen Bericht dokumentiert die Arbeitsgemeinschaft erstmals die nachhaltige Entwicklung in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der ARD sowie der Deutschen Welle. An entscheidenden Stellen wünscht sich der Umweltverband jedoch mehr Engagement und Eigeninitiative.
Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender „Mit dem Nachhaltigkeitsbericht der ARD haben sich erstmals zehn öffentlich-rechtliche Sendeanstalten auf eine gemeinsame Darstellung ihrer jeweiligen Aktivitäten zur Nachhaltigkeit geeinigt. Der Bericht stellt zahlreiche Beispiele zu Energieeinsparungen, ökologischer Mobilität und Umweltbildung vor. Damit dient er der Gesellschaft und insbesondere der Medienbranche als Vorbild für einen umweltschonenden Umgang mit unseren Ressourcen. Der BUND lobt, dass sich die ARD klar zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex bekennt und Verantwortung für diese gesellschaftliche Herausforderung übernimmt.“
Mechthild Kaub, BUND-Expertin für Umwelt und Medienpolitik, ergänzt: „Der Bericht dokumentiert die Stärke der öffentlich-rechtlichen Sender. Hier wird im Programm ausführlich, ausgewogen und kompetent über Natur- und Umweltschutzthemen informiert. Den Herausforderungen des Klimaschutzes wird in den Sendern zunehmend Rechnung getragen. Wir begrüßen den Schwerpunkt der diesjährigen ARD-Themenwoche zum Klimawandel und zur Nachhaltigkeit. Als Umweltverband würden wir uns jedoch wünschen, dass die Notwendigkeit nachhaltigen Handelns und deren Dringlichkeit angesichts der fortschreitenden Klimakrise auch im Bericht noch klarer benannt wird.“
Im Nachhaltigkeitsbericht stellt die ARD die These auf, dass nachhaltiges Wirtschaften unweigerlich zu Kostensteigerungen führt. Nachhaltiges Agieren und Kostenbewusstsein stünden sich als Zielkonflikt gegenüber. Richtig ist, dass die ARD den Gesetzgeber auffordert zu klären, wie nachhaltiges Handeln unter dem Gebot der Sparsamkeit möglich sei. Der BUND ermutigt den Medienverbund jedoch, nicht auf eine gesetzliche Verpflichtung zur Nachhaltigkeit im nächsten Medienstaatsvertrag zu warten. „Um die Möglichkeiten nachhaltigen Wirtschaftens zu nutzen, braucht es keine gesetzlichen Vorgaben, es können bereits jetzt bestehende Potenziale zur Ressourcenschonung und CO2-Reduktion ausgeschöpft werden. Nachhaltigkeit und Sparsamkeit schließen sich keinesfalls aus“, so Bandt.
Außerdem fokussiert sich die ARD mit ihren Maßnahmen derzeit auf den sensibelsten Bereich der Programmherstellung, nämlich auf die Auftragsproduktion. Empfehlenswert wäre es hingegen, in den Sendeanstalten selbst und in ihren Aufsichtsgremien mit der Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen zu beginnen. Der BUND regt zudem an, dass alle Sendeanstalten Ansprechpersonen für Nachhaltigkeit in ihren Häusern benennen und ausreichend Mittel für innovative, nachhaltige Arbeitsprozesse bereitstellen. Nur so kann es zu einem zügigen Austausch zwischen Produktionswirtschaft, Filmförderung und Zivilgesellschaft kommen.
Weitere Informationen:
ARD-Themenwoche: www.daserste.de/specials/ueber-uns/ard-themenwoche-2020-wie-leben-100.html
Quelle: BUND-Pressestelle
87