Der Ausspruch "Wissen ist Macht" stammt vom englischen Philosophen Francis Bacon (1561–1626). In dessen Zeit, dem Zeitalter der Aufklärung, bedeutete das, Einfluss zu haben, da nicht alle Menschen Zugang zu Wissen hatten. Bildung, Bücher und wissenschaftliche Erkenntnisse waren teuer, selten und oft nur Eliten vorbehalten. Wer lesen, schreiben oder komplexe Zusammenhänge verstehen konnte, hatte automatisch etwas zu sagen in Politik, Kirche, Wissenschaft oder Verwaltung. Wissen war damals ein exklusives Gut, das Kontrolle ermöglichte und Machtstrukturen stabilisierte.
Heute ist Wissen überall verfügbar. Die Macht liegt nun eher in der Fähigkeit, es zu filtern, zu verstehen und kritisch zu nutzen. Es ist also kein Besitz mehr, sondern eine Kompetenzfrage. Nicht wer viel weiß, sondern wer richtig analysiert, kritisch denkt und klug handelt, hat die Macht, sich in unserer komplexen Welt zu behaupten.
Und da inzwischen auch überflüssiger Quatsch auf uns herniederregnet (um Werbung darin zu verpacken), ist man gut beraten, Auswahlen zu treffen. So entstehen unter Umständen auch kuriose "Glaubensrichtungen" und ulkige Lebensansichten sowie halbe Wahrheiten.
1.
Da schwört z. B. eine erwachsene Frau darauf, dass gewisse Ereignisse sich auf geheime Machenschaften mächtiger Gruppen zurückführen lassen. Sie glaubt fest daran, dass nichts zufällig passiert. Als Mensch, der Unsicherheit schwer aushält, orientiert sie sich dabei an YouTube-Nachrichten.
Die haben jedoch eine sehr unterschiedliche Qualität, weil YouTube nur eine Plattform ist - sozusagen für Jedermann. Es existieren dort sowohl seriöse journalistische Inhalte als auch Meinungskanäle, Clickbait (reißerischer Blödsinn) sowie Falschinformationen. Angezeigt vom Algorithmus wird, was Aufmerksamkeit erzeugt – nicht unbedingt das, was korrekt ist.
2.
Jemand anders scheint die Welt durch ein besondere Brille zu sehen: Er folgert, ein Carport mit klaren Dach hat anscheinend keins... Ein Fenster mit senkrechten Papierschnüren erscheint dem Betrachter fälschlicherweise vergittert... Jeder Hubwagen kann eine Tonne Gewichte transportieren... oder etwa nicht? Da werden einfach gewisse Fakten ignoriert, die nicht ins eigene Wissenbild passen.
Unsinn ist schnell gesagt, aber mühsam zu widerlegen. Denn Falschaussagen sind oft simpel, emotional und eingängig. Die Widerlegung braucht dagegen Zeit, Präzision und Nerven. Dafür muss man erklären, einordnen, differenzieren – während der Unsinn mit einem Satz erledigt war. Daher fühlt man sich nach solchen Disputen ausgelaugt. Ein Hinweis darauf, dass man gerade eine anstrengende Arbeit geleistet hat.
Die "Brandolini-Regel" (auch bekannt als das Bullshit-Asymmetrie-Prinzip ;-) besagt, dass es zehnmal mehr Energie kostet, Falsches bzw. Unsinn zu widerlegen, als ihn in die Welt zu setzen.
*pfft*
3.
Wir verkaufen "Oma ihr klein Häuschen"... in Kleinanzeigen - früher: eBay. Das ist ein Tummelplatz für jedermann, da er im Prinzig nichts kostet. Viele scheinen diesen digitalen Flohmarkt zu den sozialen Medien zu zählen. Sie bemühen sich deswegen nicht um Anrede und Namen, wollen einfach mal am Wochenende zum Gucken kommen - Besichtigungstourismus statt echtes Interesse.
Den Vogel aber hat jemand abgeschossen, der - ohne über sich selbst etwas preiszugeben - einen kompletten Fragenkatalog hereinreichte... bis hin zu der Frage, ob's die Solaranlage denn "tut", wo sich das Haus doch am Waldrand befindet.

Fakt ist, Wissen ist heutzutage oft nur eine nebulöse Vorstellung, eine Ahnung, ein unkonkretes Bild. Etwas von dem man mal etwas gehört hat. Da unser längst überfordertes Gehirn auf einem "Schluss" besteht, kommt es in die Kiste: Könnte sein. Deckel zu.
Oder man stellt die dämlichste aller Fragen...
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de





















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