[Agrarpolitik / Landwirtschaft] Die Suche nach Lösungen, die Landwirtschaft anders und nachhaltig auszurichten, ist vor dem Hintergrund der Natur-, Klima- und Ernährungskrise eine große Herausforderung. Die Konventionelle Landwirtschaft liefert hohe Erträge zu Lasten von Natur und Klima. Biolandwirtschaft hat viele ökologische Vorteile, aber bei bei geringeren Erträgen. Wie lassen sich die Vorteile von beiden verbinden?
Die Antwort ist: Mit regenerativer Landwirtschaft. Das zeigt eine gemeinsame Studie von NABU und der Boston Consulting Group (BCG). Demnach könnte regenerative Landwirtschaft allein in Deutschland einen ökologischen Nutzen von mehr als 8,5 Milliarden Euro jährlich erbringen – etwa durch geringere Kohlenstoffemissionen oder eine höhere Grundwasserqualität.
NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger sagt dazu: „Die regenerative Landwirtschaft eröffnet den dringend benötigten Transformationspfad zu resilienter Ernährungssicherung und Natur- und Klimaschutz. Sie stärkt gezielt die zentralen Ökosystemleistungen unserer Natur und macht sie sich selbst zu Nutze – etwa die Bodenbiodiversität für die Erzeugung von Lebensmitteln. So trägt die landwirtschaftliche Produktion zum Schutz von Natur und Klima bei, anstatt sie zu zerstören.”
In der Debatte in Deutschland wird diese Form der Landwirtschaft immer noch stiefmütterlich behandelt
Krüger: “Das muss sich schleunigst ändern. Denn regenative Landwirtschaft stellt nicht nur unzählige Ökosystemleistungen bereit. Sie gibt auch den landwirtschaftlichen Betrieben eine Zukunftsperspektive und trägt in Zeiten von Dürren und Extremwetterereignissen zur Ernährungssicherung bei. Vor dem Hintergrund der Klima-, Natur- und Ernährungskrise gilt es jetzt, die regenerative Transformation voranzutreiben.”
Konkret zeigt die Studie, dass landwirtschaftliche Betriebe ihre Gewinne um bis zu 60 Prozent gegenüber der konventionellen Landwirtschaft steigern könnten. Grund sind geringere Kosten für Betriebsmittel und eine höhere Stabilität der Erträge bei Extremwetterereignissen. Auch Unternehmen, die Lebensmittel herstellen oder verarbeiten, sowie der Lebensmitteleinzelhandel profitieren laut Studie von der regenerativen Landwirtschaft. Demnach könnten die Risiken durch wetterbedingten Lieferkettenengpässen - etwa in Dürreperioden - halbiert werden.
Simon Krämer, Co-Autor der Studie und Experte für Ernährungssystem- und Bodenpolitik: “Die Agrar- und Ernährungswirtschaft ist derzeit ein Hauptverursacher der Klimakrise und des Verlusts der Artenvielfalt. Gleichzeitig ist sie mit am stärksten von den ökologischen Krisen betroffen. Von regenerativer Landwirtschaft profitieren Natur, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie landwirtschaftliche Betriebe gleichermaßen – ganz gleich, ob sie bislang konventionell oder biologisch gewirtschaftet haben. In Anbetracht dieses Triple-Win-Effekts sollte der Weg zu einem regenerativen Agrar- und Ernährungssystem in Deutschland von allen Beteiligten gefördert werden.”
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Gut zu wissen
Regenerative Landwirtschaft nutzt die Bodenbiodiversität, vor allem Pilze und Bakterien im Boden, als landwirtschaftliches Produktionsmittel. Gesündere Böden und Pflanzen erhöhen die Ertragsresilienz, die Pflanzengesundheit und wirken sich positiv auf die gekoppelten Kohlenstoff- und Wasserkreisläufe und den Artenreichtum aus. Weitere positive Folgen: Landwirtschaftliche Betriebe werden unabhängiger von Kunstdünger und den damit verbundenen Kosten. Nicht zuletzt regenerieren sich Agrarökosysteme und die daran gekoppelten Kohlenstoff- und Wasserkreisläufe, was die Versorgung mit Nahrungsmitteln sichert und gesünder macht.
Quelle Text: NABU