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Home DOSSIER: Natur und Umwelt Klima - Wetter - Wandel Sie hat uns im Griff: Die Klimakrise ist Deutschland angekommen

Sie hat uns im Griff: Die Klimakrise ist Deutschland angekommen

Klimakrise und Wetterextreme

Mit Klimaanlage: VW-Multivan in den Wüsten Hessens unterwegs (c) HESSENMAGAZIN.de[Deutschland] Anlässlich der anhaltenden Hitzewelle weist der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) darauf hin, dass die Folgen der Klimakrise längst weltweit – auch in Deutschland – spürbar sind und fordert von der Bundesregierung schnelles Handeln für mehr Klimaschutz in den Bereichen Energie, Verkehr und Landwirtschaft.
„Dieser Hitzesommer gibt einen Eindruck, wie bedrohlich die Klimakrise ist. Der Mensch hat den CO2-Gehalt der Atmosphäre schon um mehr als 40 Prozent erhöht, die hohe Konzentration erhitzt das Klima. Millionen von Menschen sind betroffen, denn weltweit werden Böden zerstört, Ernten gehen verloren, Wüsten breiten sich aus, Gletscher schmelzen und Stürme verursachen große Schäden. Die Bundesregierung hat sich an der Klimakrise mitschuldig gemacht.

Als Reaktion auf die lebensbedrohlichen und kostspieligen Folgen der Klimakrise muss die Bundesregierung Sofortmaßnahmen zur Emissionsminderung ergreifen. Noch ist es möglich, drastischere Folgen der Erderhitzung zu verhindern, deshalb muss die Bundesregierung den Kohleausstieg anpacken und dafür sorgen, dass klimaschonende Lösungen in der Landwirtschaft, im Verkehrsbereich und in der Industrie eingesetzt werden“, sagte die BUND-Klimaexpertin Ann-Kathrin Schneider.

Dürre und Trockenheit in der Landwirtschaft

„Die Trockenheit ist vielerorts so dramatisch wie seit Langem nicht mehr, das macht auch vielen Landwirten schwer zu schaffen, die jetzt die Folgen der Klimakrise spüren. Um die negativen Folgen der Klimakrise zu begrenzen, müssen wir das industrielle Agrarsystem schrittweise, aber grundlegend umbauen. Eine klimafreundlichere Landwirtschaft ist möglich, dafür gibt es im Ökolandbau viele Vorbilder. Wichtig ist, dass die Emissionen von Treibhausgasen wie Methan verringert werden, dazu müssen die Tierbestände sinken. Die industrielle Fleischproduktion trägt ganz wesentlich zur Klimakrise bei. Um die Klimagase aus der Landwirtschaft zu reduzieren, muss die Tierhaltung an die Fläche gekoppelt werden und statt Sojafutter zu importieren sind politische Vorgaben für mehr Futtermittel aus der Region notwendig“, sagte die BUND-Landwirtschaftsexpertin Katrin Wenz.

Fischsterben und Einleitung von Kraftwerksabwässern in Flüsse

„In vielen Gewässern in Deutschland ist aktuell ein Fischsterben zu beobachten. Wassertemperaturen über 28 Grad Celsius führen zu Sauerstoffmangel und zur Schädigung der Gewässerökologie. Das Problem ist menschgemacht, denn neben der andauernden Hitzewelle verursachen vor allem Kohle- und Atomkraftwerke sowie Industriebetriebe mit ihren Kühlwasser-Einleitungen zusätzliche Hitze. Verstärkt wird der Sauerstoffmangel durch vermehrte Nährstoffeinträge nach starken Regenfällen. Die zuständigen Landesregierungen müssen jetzt dafür sorgen, dass kein erwärmtes Kühlwasser mehr in die aufgeheizten Flüsse eingeleitet wird“, sagte die BUND-Expertin für Biodiversität, Silvia Bender.

Eutrophierung und Blaualgen-Gefahr

„Überschüssige Nährstoffe aus der intensiven Tierhaltung gelangen in großen Mengen auch in Flüsse, Meere und die Luft. Insbesondere im Sommer bedroht die Eutrophierung durch übermäßigen Nährstoffeintrag in Gewässern die Biodiversität. Kleine einzellige Algen und schnell wachsende Makroalgen bewirken, dass viele Gewässer in Deutschland kurz vor dem Umkippen stehen. Vor allem in der Ostsee sind die Eutrophierung und die Entstehung von Blaualgen für Umwelt und Gesundheit aktuell schon bedenklich. An der schlechten Gewässerqualität hat die intensive Tierhaltung einen wesentlichen Anteil, deshalb muss die Bundesregierung dringend Veränderungen einleiten. Sowieso brauchen Nutztiere mehr Platz zum Leben, am besten auf der Weide“, sagte die BUND-Landwirtschaftsexpertin Katrin Wenz.

Gefahr für Waldbrände und Baumsterben steigt

„Satellitenbilder zeigen, dass innerhalb weniger Wochen hierzulande große Teile der Wälder trocken gefallen sind, dort steigt auch das Risiko von Waldbränden und Baumsterben. Verschärft sich die Klimakrise weiter wie bisher, wird der Wald auch in Deutschland häufiger unter den Folgen leiden. Die Forstwirtschaft muss jetzt reagieren und mehr artenreiche Laubmischwälder schaffen statt flach wurzelnde Kiefern- und Fichtenforste, denen die Hitze und der Wassermangel besonders zu schaffen machen. Natürliche und naturnahe Laubmischwälder sind weniger anfällig für Hitze, Trockenheit oder Brände, weil der Boden mehr Wasser speichert und die Wälder kühler bleiben. Ein Wald, der nur aus schnell wachsenden Nadelbäumen wie Fichten, Kiefern oder Douglasien besteht, ist viel leichter entflammbar als ein artenreicher Mischwald und an die Klimaerhitzung nicht angepasst. Wenn es nicht gelingt, die Klimakrise einzudämmen, droht langfristig ein großflächiges Waldsterben“, sagte der BUND-Waldexperte des BUND Naturschutz, Ralf Straußberger.

Auswirkungen von Trockenheit und Hitze auf Biodiversität und bedrohte Arten

„Extreme Trockenheit und Hitze verschärfen die bestehenden Probleme von Menschen und Tieren in der Stadt und im ländlichen Raum. Isolierte Populationen können nicht mehr ausweichen, wenn ihre Lebensräume trocken fallen, weil Biotope wie Auen und artenreiche Feuchtgebiete nicht ausreichend vernetzt sind. Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass der oft versprochene Biotopverbund nicht nur auf dem Papier existiert. Auch in den Städten brauchen wir eine artenreiche grüne Infrastruktur. Mehr Grün in der Stadt sorgt für kühlere Städte und mehr zusätzlichen Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Der Masterplan für mehr Natur in der Stadt, auf den sich die Regierungskoalition verständigt hat, muss zügig vorgelegt und die Städtebauförderung an den Klimawandel angepasst werden. Mehr Wohnraum darf nicht zu mehr Hitzestau führen“, sagte der BUND-Naturschutzexperte Magnus Wessel.

Quelle Text: BUND, 3. August 2018

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