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Home DOSSIER: Natur und Umwelt Umwelt Spektakuläre Fledermausfunde im Spessart

Spektakuläre Fledermausfunde im Spessart

Zweifarbfledermaus (c) Udo Klein / HGON

[Spessart] Nicht nur in tropischen Wäldern lassen sich noch heute unbekannte Tier- und Pflanzenarten entdecken. Auch unsere heimischen Wälder sind in vielen Bereichen noch unerforscht. Und bergen manche Überraschung: Naturschützer im Spessart fanden im Sommer 2013 in der Lützel bei Biebergemünd im Main-Kinzig-Kreis die erste Zweifarbfledermaus.

Zwar konnte das Tier nur tot geborgen werden, es war offenbar bei einem Unfall gestorben. Dennoch wurde diese Art damit erstmals im hessischen Spessart nachgewiesen. Man wandte sich an die Fledermausexpertin der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), Dr. Yvonne Walther. Sie erkannte sofort, dass es sich bei dem Tier um eine in Hessen äußerst seltene Zweifarbfledermaus handelt. Diese zählt zu den größeren Fledermausarten und weist eine markante Fellfärbung auf. Ein längeres Rückenfell mit weißen Spitzen sind das Hauptmerkmal der Zweifarbfledermaus.

Aber dies ist nicht der einzige spannende Nachweis im Spessart. Vor 15 Jahren wurde in Flörsbach die Mopsfledermaus wiederentdeckt, sogar mit einer Wochenstubenkolonie. Diese Art galt damals in Hessen als ausgestorben. Mittlerweile gibt es weitere Nachweise aus Nord- und Osthessen, dennoch handelt es sich bei der weiterhin bestehenden Flörsbacher Wochenstubenkolonie um die zweitgrößte in ganz Hessen.

Der hessische Spessart scheint sich als Schwerpunktregion für die Mopsfledermausart zu entpuppen. Damit trägt der Main-Kinzig-Kreis eine hohe Verantwortung für diese rare und sensible Art. Die Entdeckung der beiden seltenen Fledermausarten, über deren Lebens- und Verhaltensweise sehr wenig  bekannt ist, führt zu einer deutlichen Einschätzung der HGON-Experten: Jegliche Eingriffe und Planungen in den geschlossenen Waldarealen des Spessarts – also auch die geplanten Windkraftanlagen – sind naturschutzfachlich als äußerst gravierend einzustufen.

Die HGON bittet die Bevölkerung um Mithilfe und Meldungen von Fledermausquartieren. Wer die kleinen Bewohner zum Beispiel im Dachstuhl, hinter der Hausverkleidung oder hinter Fensterläden vermutet, kann sich per E-Mail an  Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder telefonisch (06184 – 56160) an die Experten wenden

Quelle: HGON - Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, Arbeitskreis Main-Kinzig


Gut zu wissen: Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können

Fledermäuse (Microchiroptera) sind eine Säugetiergruppe, die zusammen mit den etwas größeren Flughunden (Megachiroptera) die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera) bilden. Zu dieser Ordnung gehören die einzigen Säugetiere und neben den Vögeln die einzigen Wirbeltiere, die aktiv fliegen können. Weltweit gibt es rund 900 Fledermausarten in vielen Größen und Formen: von den großen Flughunden bis zu winzigen hummelgroßen Exemplaren, die überall vorkommen.

Die kleinen Flieger sind nahezu alle nachtaktiv. Während des Tages geben sie sich hängend der Ruhe hin. In der Dunkelheit beginnen sie zu jagen, um Falter, Insekten, Spinnen sowie kleine Reptilien, Amphibien, teilweise Fische, Nagetiere und zudem kleine Vögel zu erbeuten. Allerdings exitieren auch "Vegetarier" unter ihnen, die Nektar trinken und sich von Früchten ernähren. Nur wenige Exemplare können sich auf dem Boden fortbewegen, manche dagegen aber sogar richtig schwimmen.

In Europa sind Fledermäuse Winterschläfer und in der kalten Jahreszeit abhängig von Unterschlupfmöglichkeiten, wo sie konstante Witterungsbedingungen vorfinden und gleichzeitig für ihre Feinde nicht gut erreichbar sind. Sie sind hochsoziale Tiere, die die meiste Zeit des Jahres in Gruppen zusammenleben. In ihren Quartieren suchen sie in der Regel engen Körperkontakt mit anderen Tieren, wodurch sich Fledermauspulke bilden (Schlafverband).

In einer Kolonie können mehrere Millionen Tiere leben. Natürliche Feinde der Fledermäuse sind neben den Menschen tag- und nachtaktive Raubtiere, vor allem Katzen sowie Greifvögel und Eulen. Außerdem gibt es eine Reihe von großen, fleischfressenden Fledermausarten, die außer anderen Beutetieren auch kleinere Fledermäuse jagen.

17 der etwa 22 deutschen Arten werden in der Roten Liste Deutschlands geführt. Ihre Gefährdung geht vor allem durch Zerstörung ihrer Lebensräume aus, etwa durch die Sanierung von Altbauten und die Versiegelung von potentiellen Schlafplätzen, durch die Vernichtung von Insekten-Lebensräumen, durch die Zerstörung von Totholzbeständen und die Vergiftung mit Insektenschutzmitteln und Holzschutzfarben wie auch die Zersiedelung strukturreicher Landschaften und Wälder. So leben Fledermäuse längst auch in Parks und Gärten.

Um auf die Problematik hinzuweisen, findet jährlich die European Bat Night in europäischen Städten und Regionen statt, die von Natur- und Artenschutzverbänden organisiert wird. Sie dient der Information über heimische Fledermauspopulationen und deren Lebensräume. Die Fledermausnacht gilt als besonders familien- und kinderfreundlich. Je nach Veranstalter werden Ausstellungen, Filmvorführungen und Vorträge angeboten, oft auch abendliche Exkursionen zu Fledermausquartieren und Jagdgebieten. Dabei können Fledermäuse nicht nur beobachtet, sondern mit Hilfe von so genannten Fledermausdetektoren auch akustisch wahrgenommen werden.

Im bisher einzigen Fledermaus-Museum Deutschlands, dem Gutshof Julianenhof bei Reichenberg im Naturpark Märkische Schweiz, informiert der NABU Besucher über den Schutz der Fledermäuse und ihrer Umwelt. Es dokumentiert das Leben der Tiere und zeigt die Entwicklung ihrer Erforschung. Das Museum arbeitet eng mit Wissenschaftlern und Fledermausforschern zusammen.

In China gilt die Fledermaus übrigens als Symbol für Glück und Gewinn. Dies spiegelt sich in dem chinesischen Wort fu wider, welches zugleich „Glück“ und „Fledermaus“ bedeutet. In Europa ist die Fledermaus hingegen seit der Antike überwiegend negativ besetzt. Dämonische und teuflische Wesen – auch Satan (der Teufel) selbst – werden in der Bildenden Kunst häufig mit Fledermausflügeln dargestellt und unterscheiden sich dadurch von Engeln.

Quelle in Auszügen: Wikipedia

 

NewsFlash - Kurz & Knapp

Mehr Dunkelheit wagen und Lichtverschmutzung reduzieren

[Hessen und Drumherum] Wenn es Nacht wird, gehen die Lichter aus? Im Gegenteil. In Industrieländern wird der Himmel nachts an vielen Orten nicht mehr richtig dunkel. Diese Lichtimmissionen, die als Lichtverschmutzung bezeichnet werden, haben dramatische Folgen für die Tierwelt: Künstliche Lichtquellen greifen in den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus der Natur ein. Alle Tierarten – ob tag- oder nachtaktiv – sind von Lichtverschmutzung betroffen. Insbesondere dämmerungs- und nachtaktive Fluginsekten werden von künstlichen Lichtquellen angelockt und flattern orientierungslos bis zur Erschöpfung um sie herum. Entweder sterben Insekten direkt unter den Lampen oder sie verlieren wertvolle Energie und Zeit für Nahrungssuche, Partnersuche und Fortpflanzung. Fressfeinde wie Fledermäuse haben dadurch ein leichtes Spiel, werden jedoch selbst von dem Kunstlicht irritiert. Auch Vögel ändern ihr Brutverhalten und sogar die Pflanzenwelt reagiert auf die Dauerbelichtung: Laubbäume können ihre Blätter später verlieren, wenn sie ständiger Beleuchtung ausgesetzt sind.

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