Zettelwirtschaft des Umweltamtes Die Untere Naturschutzbehörde gibt Verhaltenshinweise zum Schutz der Natur (c) HESSENMAGAZIN.de
[Hanau in Hessen] Behörden und Ämter sind ungefähr / eigentlich dasselbe, nur mit einer anderen Bezeichnung. Wir vermuten dahinter selbstverständlich keine Verwirrtaktik. Es ist einfach nur typisch deutscher AMTskram :-) Also stammen die hier gezeigten, in Plastik gehüllten Zettel am schmalen Ufer des schnurgeraden Fallbaches aus ein und demselben Büro, das der vorbeispazierenden Bevölkerung ein wichtiges Anliegen zum Natur- und Artenschutz mitzuteilen hat.
Von März oder April bis Ende Juni oder auch dem 15. Juli brüten Vögel, und andere Tiere bekommen Junge, die es zu schützen gilt. Für Jäger ist während dieser "Setzzeit" das Jagen verboten, denn das Wild hat bis zum Selbständigwerden der Jungtiere Schonzeit.
Der "normalen" Bevölkerung ist das bisher noch nicht so recht bekannt. Die wird deshalb per Schild am Waldrand oder einem Naturschutzgebiet darauf hingewiesen, doch bitteschön auf den Wegen zu bleiben und ihre Hunde nicht querfeldein rennen zu lassen. Manche Länder, Regionen oder Kommunen verordnen sogar einen Leinenzwang für Vierbeiner. Katzen sind jedoch bisher noch nicht mit einbezogen worden...
Die Pressemeldung der Stadt vom 28. Februar 2022 erwähnt als Appell der Naturschutzbehörde:
Schöne Wiesenflächen, Streuobstwiesen, Äcker und Wälder bieten wichtige Rückzugsgebiete für die heimische Tierwelt. Auf den Wiesen und Feldern bringen Rehe, Fasane, Rebhühner, Feldlerchen und Feldhasen ihre Jungen zur Welt. Und Wiesenvögel wie der Weißstorch nutzen diese Gebiete zur Nahrungssuche. Gerade während der Brut- und Setzzeit vom 1. März bis 30. Juni reagieren Wildtiere besonders empfindlich auf Störungen, die in diese Gebiete gebracht werden.
Dieser Bach-Kanal und seine Uferpfade im Stadtteil Nord-West beherbergen wenige freilebende Tiere (c) HESSENMAGAZIN.de - Mal gucken gehen: <-KLICK
Hat ein Hund ein Wildtier gewittert, kommt es nicht selten vor, dass er diesem nachstellt. Es muss nicht zu direkten Angriffen kommen, aber schon alleine die Störung und Panik, die bei dem Wildtier ausgelöst wird, bedeutet Hochstress und kann auch zum Verlust des Nachwuchses führen. Nur wenige Hunde jagen tatsächlich einem größeren Wild nach; aber auch kleinere Tiere und Vögel, die in wegenahen Hecken und Pflanzen brüten oder nach Nahrung suchen, werden durch freilaufende Hunde gestört und vertrieben.
Selbst in der Annahme, dass doch nirgendwo Tiere zu sehen sind, die sich gestört fühlen können: Wildtiere und Vögel registrieren lange bevor der Mensch die Tiere bemerkt, dass jemand kommt, und fliehen oder verharren schweigend.
Die Untere Naturschutzbehörde appelliert an alle Hundebesitzenden, insbesondere in dieser Aufzuchtzeit ihre Hunde nur angeleint spazieren zu führen. Es ist auch wichtig, dass die vorhandenen Wege benutzt werden und nicht einfach quer über die Wiesen, Felder und durch den Wald gelaufen wird. Das gilt insbesondere für die Hundebesitzenden, die mit ihren Vierbeinern Trampelpfade zwischen den Asphaltwegen als Abkürzung nutzen.
Diesen wichtigen Beitrag zum Artenschutz kann jeder und jede durch eigenes Verhalten beisteuern. So können Wildtiere ihren Nachwuchs ungestört aufziehen.
Die Stadt Hanau hat für einige Gebiete außerhalb von Siedlungen eine Pflicht zum Anleinen von Hunden während der Brut- und Setzzeit (1. März bis 30. Juni) erlassen. Die genauen Abgrenzungen sind im Bürger-GIS der Stadt Hanau unter dem Stichwort Leinenzwang oder in einer Broschüre. QR-Codes führen direkt dorthin. (Quelle: Hanau)
Nachtrag von HESSENMAGAZIN.de
Immer angeleint: Redaktionshund Leo an Hanaus Kinzigufer (c) HESSENMAGAZIN.de
Was heißt denn hier Tierliebe?
Wir haben uns bereits mehrfach zu der Situation geäußert, u. a. auch zur falsch verstandenen: HIER <-KLICK. Und immer wieder sind wir entsetzt, wenn uns Leute sagen, die Tiere würden doch sicher schon von alleine weggehen, wenn sie samt ihres herumrennenden Wauwauwis des Weges kommen. Ganz so, als wären Wildtiere weniger wichtig als das eigene Haustier.
Das passt zu der Einstellung: Mein eigener Garten wird toll gepflegt, dafür kaufe ich auch gerne das Gartencenter leer. Aber das struppige, wilde Kinzigufer kann "von-mir-aus" auch Müllkippe sein. Mehr dazu bei uns: HIER <-KLICK.
Fazit: Wir fragen uns, wie ernst es die Stadt Hanau mit dem GRÜN, sprich ihrer BIODIVERSITÄT, meint, wenn diese wichtige jährliche Frühjahrskampagne lediglich ein paar ausgedruckte, bald verblasste Zettel wert ist, die sowieso kaum jemand liest...
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de