Wertschöpfungskette und ... äh, was nochmal?

Sonntag, den 19. Januar 2025 um 08:27 Uhr Gut zu wissen - Dossier: Sprache und Verstand
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Weizenernte © Michael Gäbler / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0[Deutschland] Da sitzen manche Leute im Büro und basteln für ihre Öffentlichkeitsarbeit Wortkonstrukte zusammen. Damit soll etwas Neues bzw. Besonderes bezeichnet werden - möglichst passgenau und selbst-verständlich. Auf diese Weise entstehen mitunter Wortungetüme, die vielleicht sogar einmal zum "Unwort des Jahres" gekürt werden. Da hätten wir unter anderem: Ernährungswende, Seuchengeschehen, Tierindustrie, Bauernsterben, Agrarkrieger, Nährstoffbelastung, regenerative Ökonomie, Welternährungsorganisation...

Die obige Auswahl wurde gefunden durch die Google News Suche zu "industrielle Landwirtschaft" ... Doch um zum Unwort zu werden, müssen die Wortschöpfungen in ihrer Bedeutung "diskriminieren, stigmatisieren und diffamieren", weil sie "euphemistisch (beschönigend), verschleiernd oder gar irreführend" ... also echt gemein in der Aussage sind. Siehe: www.unwortdesjahres.net/unwort/kriterien-und-auswahlverfahren/

Aber eigentlich reicht für das Auslösen unseres Unbehagens beim Hören solcher Ausdrücke schon die Tatsache, dass wir nicht dahintersteigen, was uns vermittelt werden soll. Bei dem harmlos klingenden Wort Ernährungswende fragt man sich zum Beispiel vielleicht, was denn bitte gewendet werden soll in der Ernährung.

Oder was passiert genau beim Seuchengeschehen? Und zu dem Wort Tierindustrie stellen wir uns als Tierfreund ziemlich Gruseliges vor, um wahrscheinlich das Weiterdenken schnell auszuknipsen. Tja, letztendlich hören wir dann einfach weg beim Bauernsterben (wahlweise: Höfesterben). Wetten?

Anschließend stolpern wir geistig noch über den Begriff Agrarkrieger. Den hat der Journalist und Buchautor Bartholomäus Grill geprägt und meint damit jene großen Unternehmen "die die industrielle Landwirtschaft vorantreiben und dabei die Umwelt und die Lebensgrundlagen stark belasten".
Mehr dazu: https://www.thalia.de/autor/bartholom%C3%A4us+grill-287275/

Kurz und doof: Das wäre die eine Seite der Medaille

Auf der anderen Seite steht im Grunde das Bemühen, die Öffentlichkeit aufzuklären, zu sensibilisieren und zum Mitdenken anzuregen. Denn: "Wer nichts weiß, muss alles glauben." (Zitat: Marie von Ebner-Eschenbach). In Zeiten von Fake-News muss das durchaus als Warnung gelten!

Leider kommt das indessen nicht an bei solchen Leuten, die gewohnt sind, nicht richtig / wirklich zuzuhören oder auch mal ab und zu Unbekanntes zu hinterfragen.

Ein Dilemma, wenn Bildung und Wissen hauptsächlich über die sozialen Medien bezogen werden und eigene Meinungen vom laut tönenden, großspurig auftretenden Nachbarn übernommen werden.

Aua!

PS: Eine Wertschöpfungskette beschreibt die gesamte Abfolge von Aktivitäten, die notwendig sind, um ein Produkt oder eine Dienstleistung von der Entwicklung bis zum Endverbraucher zu bringen. Jede Stufe dieser Kette trägt zur Wertschöpfung bei, indem sie das Produkt oder die Dienstleistung weiterentwickelt und veredelt. (Quelle: https://copilot.microsoft.com)


Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de