Klima-Jurassic Park? BUND-Kommentar zum CCS-Gesetz

Donnerstag, den 30. Mai 2024 um 09:03 Uhr Thema - B R I S A N T
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Kraftwerk Staudinger bei Hanau - Symbolbild (c) Dmitry A. Mottl, Wikimeda CC BY-SA 3.0 - Mehr <-KLICK [Deutschland] Das KSpG (Kohlendioxid-Speicherungsgesetz) soll nach einem Entwurf der Bundesregierung vom 29. Mai 2024 in Deutschland das Entsorgen von Kohlendioxid (CO2) in dauerhaften Speicherstätten unter dem Meer "Offshore" oder als Verpressung auf dem Land ermöglichen. Entsprechende Paragrafen regeln darin die Anforderungen für die Technik sowie die Genehmigungsverfahren plus die Überwachung der Anlagen und die Haftung für Schäden. Beim CCS-Verfahren (Carbon Capture and Storage) wird das CO2, das als Abscheidung (Emmission) bei der Verbrennung von fossilen Energien entsteht, getrennt und verflüssigt, um dann im Untergrund gelagert zu werden.

Dekarbonisierung und Klimaschutz?

Im Januar diesen Jahres warnte ein breites Bündnis von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen anlässlich der bevorstehenden Veröffentlichung der Carbon Management Strategie der Bundesregierung eindringlich vor den Gefahren der Kohlendioxid-Verpressung: HIER <-KLICK.

Dekarbonisierung bedeutet übrigens Hinwendung zu erneuerbaren Energien - u. a. zu dem nachwachsenden Rohstoff Holz - statt Verwendung erdgelagerter, fossiler Brennstoffe wie Braun- und Steinkohle, Torf, Erdgas und Erdöl.


29.05.2024 - Kommentar von Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):

„Heute knallen die Korken bei Shell, Exxon, Wintershall DEA, Equinor und Co: Die Koalition serviert ihnen mit dem heutigen Beschluss des CCS-Gesetzes ein flächendeckendes Kohlendioxid-Pipelinenetz und Klimamülldeponien unter dem Meer und an Land. So können Kraftwerke und die großen Industriekonzerne auch über 2045 hinaus Erdgas und Erdöl einsetzen. Genau dafür lobbyieren die internationalen Petrostaaten und -konzerne seit vielen Jahren. Der Beschluss der Ampel bestätigt ihren Erfolg. Die Energiewende wird ausgehebelt.

Der Ausstieg aus den fossilen Energien, für den sich Deutschland noch auf der Weltklimakonferenz stark eingesetzt hat, ist plötzlich massiv gefährdet.

Ausgerechnet die klimazerstörende Gasindustrie wird im neuen CCS-Gesetz ermächtigt, im ganzen Land eine invasive Kohlendioxid-Entsorgungsinfrastruktur zu errichten. Die Nordsee, das Weltnaturerbe Wattenmeer sowie Wälder, Moore und Wiesen sind von neuer Industrialisierung bedroht. Dabei ist CCS eine gefährliche Scheinlösung, ein Bluff aus der Trickkiste der internationalen Öl- und Gaskonzerne, um den Ausstieg aus fossilen Energien und echte Lösungen zu verhindern. Mit CCS werden die Klimaziele unerreichbar.

Aus Sicht des BUND muss die Industrie ihre Verfahren elektrifzieren oder auf grünen Wasserstoff umstellen. In der Strom- und in der Wärmeerzeugung brauchen wir die Umstellung auf 100% Erneuerbare. Gleichzeitig müssen die Müllmengen reduziert und alternative Baustoffe entwickelt werden statt den Planeten mit immer mehr fossilem Plastik und Betonwüsten zu belasten.

Der BUND wird die besorgniserregende Entwicklung sowie die Entscheidungen des Gesetzgebers beobachten. Wir behalten uns weitere Schritte vor.“

Der BUND kritisiert

Quelle Text: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V.


Mehr nachlesen: www.heise.de/news/Kohlendioxid-Speicherung-soll-in-Deutschland-moeglich-werden-9740625.html

Quelle Ergänzungen und Zusammenstellung: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de