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Home Umwelt Luxuswohnlagen für Insekten: Palmengarten & Co.

Luxuswohnlagen für Insekten: Palmengarten & Co.

Erkenntnisse aus dem Bürgerwissenschaftsprojekt ‚Tiere und Pilze in Frankfurts botanischen Gärten‘

Zum Beispiel: Ein Schmetterling (c) HESSENMAGAZIN.de[Frankfurt am Main] Im November 2018 haben Palmengarten, Botanischer Garten und Wissenschaftsgarten der Goethe-Universität ein gemeinsames Projekt auf der Bürgerwissenschaftsplattform iNaturalist gestartet. Unter der Überschrift „Tiere und Pilze in Frankfurts botanischen Gärten“ teilen sie seither ihre Beobachtungen aus den drei Anlagen und stellen dabei Erstaunliches fest: 674 Arten wurden seit Projektbeginn gezählt, 456 davon Insekten, davon wiederum viele heimisch, andere aus der Ferne zugezogen, nicht wenige von ihnen selten.

„Zu Beginn des Projekts stand der Wunsch, Beobachtungen aus den drei Gärten zusammenzuführen, um sich einen Überblick über die Artenvielfalt zu verschaffen und sich über die Bestimmung der Organismen auszutauschen“, sagt Marco Schmidt, Botaniker im Palmengarten und einer der Initiatoren des Projekts. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nur Pilz- und Tierbeobachtungen zusammenzufassen, denn unsere Pflanzen kennen wir gut, aber nur zu wenigen anderen Organismen liegen Studien vor. Von iNaturalist haben wir uns eine Menge ergänzender Daten versprochen.“

Auch von Laien: Denn jeder, der Palmengarten, Botanischen Garten und Wissenschaftsgarten besucht, dabei ein Tier oder einen Pilz entdeckt und fotografiert, ist aufgerufen, ihn auf der Plattform einzustellen.

Schmidt: „Er oder sie muss dabei gar nichts über das Lebewesen wissen. Wenn die Fotos ausreichend Details zeigen, können andere Nutzer die Art bestimmen.“ So entstehe ein reger Austausch, der Zahlen und Arten zutage fördert, die selbst die beteiligten Wissenschaftler erstaunen: „In unseren Gärten tummeln sich überraschend viele und oftmals auch seltene Insekten wie die Knautien-Sandbiene, Trauer-Rosenkäfer oder Kleiner Schillerfalter“, sagt Schmidt.

Für Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, die das Projekt am Donnerstag, 10. September, zusammen mit Palmengarten-Direktorin Katja Heubach und den Initiatoren im Palmengarten vorgestellt hat, ist dies ein sehr erfreuliches Ergebnis. „Bezugnehmend auf unsere vergangene Woche vorgestellte Plakat-Kampagne ‚Ich bin Frankfurter*in und will‘s bleiben‘ belegt das iNaturalist-Projekt, dass – glücklicherweise – noch viele Arten mehr Frankfurter*in sind als angenommen.“ Verbunden mit den Beobachtungen und Bestimmungen auf der Plattform sei schließlich auch die Frage, ob die botanischen Gärten Frankfurts als Habitat für Tiere und Pflanzen interessant sind.

Heilig sagt: „Nach den ersten Erkenntnissen aus dem Projekt können wir das mit einem klaren Ja beantworten. Weil die Artenvielfalt der Pflanzen hier besonders groß ist, weil hier nicht wie auf dem Land vermehrt Monokulturen wachsen, weil hier gedeiht, was anderswo kaum noch zu finden ist – etwa Magerrasenflächen – sind Palmengarten, Botanischer Garten und Wissenschaftsgarten für Insekten eine Luxuswohnlage. Damit wird einmal mehr deutlich, wie wichtig Grün für die Stadt ist.“

„Wir können die Vielfalt der Insekten sogar noch fördern“, ergänzt Katja Heubach, Direktorin des Palmengartens. „Bei unseren Beobachtungen in den drei Gärten ließ sich auch feststellen, welche Pflanzen die Insekten am häufigsten anfliegen.“ Daraus lassen sich ein paar Grundsätze für die Gartengestaltung ableiten: Bienen, Hummeln, Falter und mehr landen bevorzugt auf heimischen Pflanzen und auch auf Gewürzpflanzen wie Lavendel, Thymian und Salbei. Sie fliegen ungefüllte Blüten an, gefüllte verschmähen sie.

Für Hobbygärtner heißt das: Lieber ungefüllte als gefüllte Rosen oder Dahlien pflanzen, den Insekten durch jahreszeitlich gestaffelte Bepflanzung stets etwas zu Futtern anbieten, heimische Saatenmischungen aussäen und Wiesen stehen lassen. „Wir tun das bereits auf unserer Blühwiese. Dort sprießen ausschließlich regionale Pflanzen wie Wiesen-Salbei, Margeriten und Witwenblumen. Wir mähen unsere Wiesen ein- bis zweimal im Jahr und lassen immer einen Teil stehen, damit Insekten stets ein Angebot an Nahrung und Wohnraum finden“, erklärt Heubach. „Das mag einigen Besucher*innen auf den ersten Blick merkwürdig oder gar ungepflegt erscheinen, ist aber pure Absicht: Denn es dient der Artenvielfalt in unseren Gärten und damit auch in ganz Frankfurt.“

Diesen Stellenwert von Artenvielfalt und den Zusammenhang zwischen Blüten und Bestäubern beleuchtet der Palmengarten mit seinem Leitthema „Blüten- und Bestäuberökologie“, das sich auf der Blühwiese und an anderen Stellen Gartens sowie im Botanischen Garten wiederfindet. Kernelement ist das neue Blüten- und Schmetterlingshaus, das 2021 eröffnet werden soll.

Die weltweit genutzte Plattform iNaturalist trägt mit gut dokumentierten Beobachtungsdaten zur globalen Verbreitungsdatenbank GBIF und damit zur Datennutzung im Wissenschafts- und Naturschutzkontext bei. Jeder kann sich an den Beobachtungen über „Tiere und Pilze in Frankfurts botanischen Gärten“ beteiligen:
https://www.inaturalist.org/projects/tiere-und-pilze-in-frankfurts-botanischen-garten?tab=observations&subtab=grid

Quelle Text: Stadt Frankfurt

 

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