[Niedersachsen] ROBIN WOOD, Biofuelwatch und eine Bürgerinitiative protestieren gegen die Pläne der Firma Hansekraft zum Bau des in Deutschland bisher größten Altholz-Heizkraftwerks in Stade-Bützfleth. Die Verbände bezweifeln die behauptete Klimaneutralität der Anlage und halten die geplante CO₂-Abscheidung und -Speicherung für technisch unsicher. Zudem warnen sie vor Umweltfolgen durch den hohen Holzbedarf und fordern klimafreundliche Alternativen zur Wärmeversorgung.
Man fragt sich vielleicht: "Was geht mich das an?" Das ist weit weg...
Doch irgendwann könnte es auch bei uns zu einem Problem werden.
Deswegen: Sich schlau machen
Das Unternehmen Hansekraft Stade plant, ein Heizkraftwerk zu bauen, in dem ab 2031 im Regelbetrieb jährlich 500.000 Tonnen Altholz, auch angeliefert aus dem Ausland, verfeuert werden sollen, um Dampf, Strom und Wärme zu erzeugen. Einen entsprechender Antrag auf Genehmigung nach Bundesimissionsschutzgesetz wurde beim Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg eingereicht.
Um das Projekt als „klimaneutral“ oder sogar als „Negativ-Emissions-Anlage“ darzustellen, will das Unternehmen zudem auf Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung setzen, das sogenannte BECCS-Verfahren.
Bioenergy with Carbon (CO₂) Capture and Storage:
- Capture bedeutet: Bevor das entstehende Rauchgas in die Atmosphäre gelangt, wird das CO₂ durch chemische oder physikalische Verfahren (z. B. Wäsche mit Lösungsmitteln) herausgefiltert und verflüssigt.
- Beim Storage wird das flüssige CO₂ über Pipelines oder Schiffe zu Endlagern transportiert und tief unter die Erde oder in tief liegende Salzwasserschichten bzw. das Basaltgestein im Meeresboden gepresst`.
ROBIN WOOD und die Mitstreiter halten dagegen, dass Holzverfeuerung einerseits nicht weniger CO₂-Emissionen verursacht als das Verfeuern von Kohle. Und andererseits sei die geplante CO₂-Abscheidung und -Speicherung (CCS) technisch noch unausgereift, teuer und mit Risiken verbunden.
Die Kritikpunkte:
- Beim Verbrennen von Holz entsteht Kohlendioxid (CO₂), ein farb- und geruchloses Treibhausgas, das zum Klimawandel beiträgt.
- Schadstoffbelastetes Altholz enthält Schwermetalle, Dioxine und gesundheitschädliche Furanverbindungen.
- Um abgefangenes CO² entsorgen zu können, müsste es extrem hochrein vorliegen. Nach Ansicht von Wissenschaftlern und Umweltgruppen fehlen dafür derzeit noch funktionierende Lösungen.
- Für den Transport des CO₂ gibt es ab Stade-Bützfleth bislang keine Infrastruktur. Außerdem birgt ein Transport über Binnenschiffe, Pipelines oder Spezialtanker Risiken für Mensch und Natur im Falle von Lecks oder Schiffsunglücken.
- Das Einpressen von Kohlendioxid in den Meeresboden der Nordsee (CCS) steht im Verdacht, das marine Ökosystem zu beeinträchtigen (z. B. Versauerung des Wassers bei kleinen Leckagen, induzierte Erdbeben oder Zerstörung von Lebensräumen im Meeresboden)
- Kritiker bezweifeln, dass das CO² über Jahrhunderte sicher im Boden bleibt. Beispiele wie das Versuchsprojekt im US-amerikanischen Decatur (Illinois) zeigten, dass Gas entweichen oder durch Schwachstellen im Deckgestein wieder an die Oberfläche treten kann.
Die Petition zum Protest: www.robinwood.de/holzkraftwerk-stoppen <-KLICK
Hintergrundwissen
Altholz ist bereits genutztes und anschließend entsorgtes Holz, etwa aus Möbeln, Paletten oder dem Baubereich. Je nach Herkunft kann es unbehandelt oder mit Lacken, Leimen und anderen Stoffen belastet sein, so wie z. B. Bahnschwellen und Strommasten.
Kritiker der Verbrennung argumentieren, dass Altholz ein wertvoller Rohstoff sei und möglichst recycelt statt verbrannt werden sollte. Es könne beispielsweise für Spanplatten oder Dämmstoffe wiederverwendet werden. Durch die Verbrennung gehe der Rohstoff dauerhaft verloren.
Quelle Pressemitteilung: ROBIN WOOD - Zusammenstellung: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de