NABU Hessen und wir zu Klimaschutz und dem Grün-Feucht-Kühl-Index

Montag, den 13. Juli 2026 um 08:16 Uhr Gut zu wissen - Dossier: Natur und Umwelt
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Je größer der Temperaturunterschied zwischen Boden und Höhe, desto heftiger das Gewitter (c) HESSENMAGAZIN.de
Sommer auf dem Land: Je größer der Temperaturunterschied zwischen Boden und Höhe, desto heftiger die lokalen Sommergewitter (c) HESSENMAGAZIN.de

[Deutschland] Das muss uns jetzt wirklich einmal verdeutlicht werden: Im Schatten und unter Bäumen ist es kühler als in der Sonne. Während im Baumarkt die Sonnenschirme ausverkauft und Klimageräte gar nicht mehr erhältlich sind, brauchen wir offenbar nun die Wissenschaft, die uns das schriftlich bestätigt: Wir braten im Sommer unter der Sonne – sogar in unserer sogenannten gemäßigten Zone. Der Asphalt kocht inzwischen wie früher nur in Südeuropa, die Bürgersteige sind zu heiß für Hundepfoten, und nach dem Einkaufen müssen wir vom sonnigen Parkplatz flüchten, damit der Einkauf nicht schmilzt.

Die anhaltende und tagüber steigende Hitze ist kein Zufall, sondern physikalisch klar erklärbar. Direkte Sonneneinstrahlung trifft auf dunkle UND versiegelte Flächen wie Asphalt und Beton, die einen Großteil der Strahlungsenergie aufnehmen und in Wärme umwandeln. Dadurch erreichen Oberflächen-Temperaturen in der Sonne locker mehr 40-60 °C, während schattige Bereiche unter Bäumen durch Verdunstungskühlung deutlich kühler bleiben.

Die Wissenschaft bestätigt: Schatten, Vegetation und unversiegelte Böden senken messbar die Temperatur – oft um 8 bis 15 °C. Ohne diese natürlichen Kühlmechanismen wird die Sommerhitze in unserer gemäßigten Zone zunehmend zur Belastung.

Dazu trägt auch bei, dass die Straßenbaubehörde HessenMobil im Frühjahr immer wieder (wegen Verkehrssicherheit bzw. Baumaßnahmen) große alte Straßenbäume fällt, die Bauern zurzeit überall Wiesen und Korn mähen und den Boden offenlegen; und auch Gartenbesitzer alles drangeben, ihren Rasen per Mähroboter bis auf die Wurzel zu kürzen und der Austrocknung preiszugeben.

Wenn die Wissenschaft nicht nur die Presseleute informieren würde (siehe den Artikel weiter unten), sondern die sozialen Medien wie Facebook & Co. nutzen würde, diese Tatsachen zu verbreiten, könnte sich eventuell etwas ändern. Dann kämen nicht immer nur diese abgedroschenen Ratschläge: Nur morgens lüften, viel trinken und die Sonne zu meiden usw..

Wir stellen fest: Die Wissenschaft kommuniziert zu wenig dort, wo Menschen heute ihre Informationen aufnehmen. Während Studien klar belegen, wie stark Vegetation, Feuchtigkeit und unversiegelte Böden die Temperatur senken, bleiben diese Fakten in Fachkreisen hängen. In sozialen Medien dominieren dagegen Belanglosigkeiten. Das Ergebnis: Die Bevölkerung versteht die Ursachen der Hitze nicht, und politische wie private Entscheidungen bleiben folgenlos.

Die öffentliche Wahrnehmung entsteht jedoch heute auf Facebook, Instagram, TikTok, YouTube. Dort entscheidet sich, ob Menschen verstehen, warum Hitze entsteht – und was man dagegen tun kann. Die eigentlichen Zusammenhänge – Verlust von Grün, Versiegelung, Trockenlegung, Baumfällungen, Mähwahn – bleiben unsichtbar.

So entsteht ein gefährlicher Eindruck: Hitze sei ein Naturphänomen, kein menschengemachtes Problem.

Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de


Klimamonitoring: Der Grün‑Feucht‑Kühl‑Index

Wie Landschaften gegen Hitze wirken (c) HESSENMAGAZIN.deDer NABU und das ECONICS INSTITUTE stellen am 14. Juli 2026 den Grün‑Feucht‑Kühl‑Index (GFKI) in Berlin‑Spandau vor – an einem außergewöhnlichen Ort: dem "Eiskeller", einem der kältesten Punkte der Hauptstadt. Der Termin bietet Medien die Möglichkeit, die wissenschaftlichen Ergebnisse direkt im Gelände zu erleben.

Der GFKI zeigt dort anhand satellitengestützter Daten, wie Vegetationsgrün, Bodenfeuchte und natürliche Kühlung zusammenwirken.

Wälder, Feuchtgebiete und strukturreiche Landschaften fungieren als ökologische Kühlstrukturen, deren Wirkung auf lokaler und regionaler Ebene physikalisch nachweisbar ist. Durch hohe Verdunstungsraten, ausgeprägte Beschattung und eine erhöhte Bodenwasserverfügbarkeit tragen diese Systeme maßgeblich zur Reduktion von Luft- und Oberflächentemperaturen bei. Sie stabilisieren Mikroklimate, puffern Extremtemperaturen ab und mindern die Intensität hitzebedingter Belastungen.

Der Grün‑Feucht‑Kühl‑Index quantifiziert diesen Zusammenhang, indem er Vegetationsgrün, Bodenfeuchte und Kühlleistung zusammenfassend erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass Renaturierungsmaßnahmen – einschließlich der im Rahmen der EU‑Wiederherstellungsverordnung vorgesehenen Eingriffe – nicht nur zur Wiederherstellung ökologischer Funktionen und zur Förderung der Biodiversität beitragen, sondern messbar Kühlungseffekte, Wasserrückhalt und eine erhöhte klimatische Widerstandsfähigkeit erzeugen.

Gut zu wissen

Der Index ist eine wissenschaftliche Kennzahl, die mehrere ökologische Parameter zu einem einzigen Messwert zusammenführt. Beim Grün‑Feucht‑Kühl‑Index (GFKI) werden drei zentrale Größen integriert:

Durch die Kombination dieser Variablen entsteht ein aggregierter Indikator, der zeigt, wie stark eine Landschaft zur Temperaturregulation, Verdunstungskühlung und klimatischen Stabilisierung beiträgt. Der Index erlaubt damit eine quantitative Bewertung natürlicher Kühlfunktionen und macht regionale Unterschiede wissenschaftlich vergleichbar.


Der NABU fragt einen Tag später: Wie gut schützt uns die Natur und will in einem Online-Pressegespräch die Ergebnisse des Grün-Feucht-Kühl-Index 2026 im Bundesländervergleich vorstellen.

Der Text dazu: "Heiße Sommer, kühlende Natur – im aktuellen Hitzesommer wünschen sich viele Menschen mehr kühlende Bäume, Wasser und Schatten. Doch wie leistungsfähig sind unsere Wälder, Moore und Städte noch, wenn es um Kühlung, Wasserrückhalt und Klimaanpassung geht? Wie feucht sind Äcker und Wiesen?
Die Studie des ECONICS Instituts im Auftrag des NABU zeigt vielen Landschaften buchstäblich die rote Karte: Deutschland verliert in der Klimakrise zunehmend die natürliche Schutzfunktion seiner Landschaften, zu sehen an vielen dunkelroten Flächen, so das Ergebnis des jetzt bundesweit vorgestellten Grün-Feucht-Kühl-Index (GFKI) 2026."

Doch wie steht es um einzelne Bundesländer? Die NABU-Landesverbände Hessen, Baden-Württemberg, Saarland und Bremen laden einen Tag später gemeinsam zum digitalen Pressegespräch ein, um mit Studienautor Prof. Dr. Pierre Ibisch über länderspezifische Fragen und den Weg aus der Krise zu sprechen.

Wie können grüne, feuchte und kühle Landschaften besser geschützt und wiederhergestellt werden?

Zu dem Termin des Naturschutzbund (NABU) - Landesverband Hessen e.V. - per ZOOM am Mittwoch, 15. Juli 2025, um 10:00 Uhr werden online anwesend sein:

Medienleute melden sich bis 13.7. an und können dann Fragen stellen...


Gut zu wissen

Das ECONICS INSTITUTE erforscht, wie Vegetation, Bodenfeuchte und Landschaftsstrukturen Klima und Ökosysteme beeinflussen. Mit daten- und satellitengestützten Methoden entwickelt es wissenschaftliche Grundlagen für naturbasierte Klimaanpassung.

Anwendung des GFKI für Kommunen

Der Grün‑Feucht‑Kühl‑Index bietet Kommunen eine praxisnahe Entscheidungsgrundlage, um Hitzevorsorge und Klimaanpassung gezielt zu planen. Durch die Kombination von Vegetationsgrün, Bodenfeuchte und Kühlleistung zeigt der Index, wo natürliche Kühlstrukturen bereits wirksam sind und wo Defizite bestehen. Daraus ergeben sich mehrere konkrete Einsatzfelder:

1. Hitze-Hotspots identifizieren

Der Index macht sichtbar, welche Stadtteile oder Landschaftsräume geringe Kühlleistung aufweisen. Kommunen können diese Hotspots priorisieren – etwa für Begrünungsprogramme, Entsiegelung oder Wassermanagement.

2. Planung von Grün- und Wasserflächen

GFKI-Daten zeigen, welche Vegetations- und Feuchtstrukturen besonders effektiv kühlen. Das unterstützt Entscheidungen zu Parks, Baumreihen, Feuchtbiotopen oder Schwammstadt-Elementen.

3. Bewertung bestehender Landschaftsstrukturen

Kommunen können prüfen, wie gut Wälder, Hecken, Feuchtgebiete oder Auenräume bereits zur Temperaturregulation beitragen – und wo Renaturierung sinnvoll wäre.

4. Klimaanpassungskonzepte präzisieren

Der Index liefert belastbare Daten für kommunale Klimaanpassungsstrategien, Hitzeaktionspläne und Förderanträge. Er zeigt, welche Maßnahmen messbar Kühlung erzeugen.

5. Flächenpriorisierung für Renaturierung

Mit dem GFKI lassen sich Flächen identifizieren, die durch Renaturierung besonders hohe ökologische und klimatische Wirkung entfalten würden – etwa zur Umsetzung der EU‑Wiederherstellungsverordnung.

6. Kommunikation und Beteiligung

Der Index ist visuell darstellbar und leicht verständlich. Kommunen können ihn nutzen, um Bürger*innen, Politik und Verwaltung die Bedeutung naturbasierter Lösungen anschaulich zu vermitteln.

7. Monitoring und Erfolgskontrolle

Durch wiederholte Auswertungen lässt sich nachvollziehen, ob Maßnahmen wie Entsiegelung, Baumpflanzungen oder Renaturierung tatsächlich zu mehr Kühlung und Bodenfeuchte führen.

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Solange Forschungsergebnisse nicht dort landen, wo Menschen sie sehen, bleibt Hitze ein abstraktes Thema – und die Landschaft wird weiter entwertet. Die Wissenschaft muss endlich lernen, dass Erkenntnisse nur dann wirken, wenn sie kommuniziert werden, nicht nur veröffentlicht.

Quelle: NABU plus Ergänzungen von Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de