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Blick in die Erdgeschichte im Fossmineum

Wolfgang Wilhelm im Fossmineum mit Funden aus der Region (c) Wetteraukreis[Wetteraukreis] Das Fossmineum ist vielleicht das jüngste Museum in der Wetterau, jedoch mit den ältesten Exponaten aus der Erdgeschichte. Es ist entstanden aus einer Sammlung, die Gerda und Wolfgang Wilhelm in den vergangenen 40 Jahren zusammengetragen haben. Sie sind begeisterte Mineralien- und Fossiliensammler und präsentieren in drei ausgebauten Kellerräumen in der Hauptstraße 39, im Ortenberger Stadtteil Selters eine stattliche Anzahl von Exponaten.

Öffnungszeiten des Museums:

Jeden 1. und 3. Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung Tel 06046/7583. Der Eintritt ist frei.

Mit dem Landrat ins Museum

Wer Lust hat, zu einem gemeinsamen Museumsbesuch mit fachkundiger Führung, der sollte sich am Sonntag, den 17. Februar 2019, um 15 Uhr  nichts vornehmen. Landrat Jan Weckler, Bürgermeisterin Ulrike Pfeifer Pantring und Museumschef Wolfgang Wilhelm laden an diesem Tag zu einem Museumsbesuch in das im Fossmineum ein.


Museum - Beschreibung

Tropenparadies Wetterau

Wer die schmale Kellertreppe des Wohnhauses in Ortenberg-Selters hinabgeht, kommt in eine ganz andere neue Welt, eine Welt, in der die Wetterau keine Kornkammer war, sondern abwechselnd Wüste, Tiefsee und tropisches Paradies. Zeugen all dieser besonderen klimatischen Bedingungen finden sich in Steinen, Mineralien und Fossilien aus allen möglichen Erdzeitaltern.

Der erste Raum gehört ganz der Wetterau. Gleich zu Beginn sieht man den typischen Säulenbasalt aus dem Vogelsberg, dazu den Buntsandstein, der nicht nur das Stadtbild von Büdingen prägt, dazu Zechstein aus einer Zeit von vor 270 Millionen Jahren und auch Rotliegendes, Abtragungen von Taunus und Odenwald in einer Zeit, als die noch Hochgebirge waren und die Wetterau eine sandige Wüste.

Von Zeit zu Zeit ereigneten sich sintflutartige Regenfälle, die schmale Rinnsale zu reißenden Strömen verwandelten. Das Gestein der ersten beiden Räume stammt im Wesentlichen aus Steinbrüchen in der Region. Besonders schöne Stücke hat Wolfgang Wilhelm ausgestellt, wie etwa den Olivin, der am Basalt haftet und vor 13 bis 18 Millionen Jahren mit einer heftigen Eruption aus 40 Kilometern Tiefe von einem Vogelsbergschlot nach oben geschleudert wurde.

Ein echter Blickfang sind die Sandbilder oder Sandvasen, die Wilhelm aufgestellt hat und die einen schönen Blick über die Schichtung der Wetterauer Böden darstellen, auf denen wir wandeln. Aus einem Bleichenbacher Steinbruch stammen imposante Buntsandsteinblöcke, die für den Bau des Viadukts am Friedberger Bahnhof genutzt wurden. Sie wurden einst mit Ochsenkarren von Bleichenbach nach Friedberg geschafft. Die Fuhren waren offensichtlich gut bezahlt, denn sie wurden unter den Bauern ausgelost.

Weiter geht es in der Ausstellung nach Rosbach, wo Wolfgang Wilhelm wundersam gefärbtes Gestein in Sandgruben geborgen hat. „Hier hat das überall präsente Mineralwasser die Sande in vielen Rot- und Blautönen verfärbt. Von weiter nördlich, aus Münzenberg, kommt der Blättersandstein, der seinen Namen von den deutlich sichtbaren Blättern hat, die hier noch erkennbar sind. Sie stammen übrigens vom Zimtbaum, der auf ein tropisches Klima in unserer Region vor 30 Millionen Jahren hinweist.

Man muss den Stein lesen können!“

90 Prozent der Fossilien und Mineralien stammen aus Deutschland, ein Großteil aus der näheren Umgebung. Um diese Steine tatsächlich auch zu finden, braucht man Erfahrung. „Man braucht Zeit, um den Stein richtig lesen zu können“, warnte Wolfgang Wilhelm all jene, die glauben, sich mal eben mit Hammer und Meißel in den nächsten Steinbruch begeben zu können und gleich fündig zu werden. Oftmals kommt man auch ohne Fund nach Hause.

Der dritte größte Ausstellungsraum ist Mineralien und Fossilien gewidmet. Die ältesten Exponate sind 380 Millionen Jahre alt. Damals war die Eifel ein Meer, in der Schwämme, Korallen, Glieder- und Armfüßer zu Hause waren. Das Aussehen der Fossilien hat oft etwas mit der Auffindesituation zu tun. So weiß Wolfgang Wilhelm von Orten in der Eifel, an denen beim Pflügen der ehemalige Meeresboden freilegt wird, die Fossilien, überwiegend Brachiopoden, Korallen und Schwämme sowie auch Trilobiten, die hier zu finden sind, sind eher hell. Solche aber, die man in Steinbrüchen findet, sind eher dunkel gefärbt. Die Phantasie von Kindern wird durch den Schnabel eines Fischsauriers angeregt, der vor rund 180 Millionen Jahren in der Nähe von Bayreuth auf Jagd gegangen ist.

Wolfgang Wilhelm war für sein Hobby viel unterwegs. Einmal im Monat ein verlängertes Wochenende, das war früher die Regel. So kam er beispielsweise auch nach Frankreich, wo entlang der Neubau-Eisenbahnstrecke Paris - Metz versteinerte Seeigel gefunden wurden.

Zu seinen besonderen Attraktionen zählt Wolfgang Wilhelm versteinerte Blätter im Vogelsbergbasalt. „Das ist eine Besonderheit, die man so eigentlich nicht erwartet, weil das flüssige Magma normalerweise sämtliche organische Stoffe sofort verbrennt. Hier war die Situation aber so, dass auf längst erkaltetem Magma sich eine Tonschicht bildete, auf der Pflanzen wuchsen. Manche dieser Pflanzen starben dann ab und lagerten sich im Ton ein. Ein weiterer Vulkanausbruch sorgte dann für einen „pyroplastischen Sturm“ der ein ganzes Waldstück unter einer Ascheschicht begrub und so für die Erhaltung der Blätter als Fossilien sorgte“, erläutert Wolfgang Wilhelm.

Schmuckliebhaberinnen und Schmuckliebhaber werden bei den beiden Vitrinen schwach, in denen Achat und Amethyst, Calmut und Quarzit zu sehen sind. Alles Stücke aus dem Umkreis von Idar-Oberstein, wo sich eine ganze Industrie der Bearbeitung dieser Halbedelsteine widmet.

Wie entstehen Fossilien?

Üblicherweise bleibt von einem toten Tier oder einer abgestorbenen Pflanze nichts übrig. Sie dienen anderen Tieren als Futter oder werden von Bakterien und Pilzen zersetzt. Sinkt aber das Tier oder die Pflanze in Sand, Schlamm oder Lehm und wird dort eingegraben, verlangsamt sich die Verwesung. Wenn sich dann immer neue Sedimentschichten auflagern, steigt der Druck. Schlamm und Sand werden dann zu Stein zusammengepresst. Die organischen Bestandteile des Körpers werden aufgelöst und durch Mineralien ersetzt. Irgendwann kommen diese Schichten wieder ans Tageslicht und werden von eifrigen Fossiliensammlern wie Gerda und Wolfgang Wilhelm gefunden und ausgestellt.

Quelle: Wetteraukreis

 

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