[Hund im Vogelsberg] Unserem kleinen, selbstbewussten Redaktionshund Respekt beizubringen, ist nicht einfach. Sein ausgeprägter Arbeitshund‑Eigensinn hat uns schon oft gefordert. Doch nach einer Woche Bauchweh ist dieser Wille etwas gedämpft. Seitdem können wir wieder mit der langen Leine spazieren gehen, ohne dass Michel ständig versucht, uns seine Richtung aufzuzwingen ;-).
Vor einigen Tagen muss er irgendwo etwas Unverträgliches gefressen haben. Wir haben nicht gesehen, was es war. Die üblichen Kohletabletten halfen diesmal nicht; der Durchfall blieb hartnäckig. In der Badewanne stapelten sich die ausgewaschenen Teppiche und Decken, während sich Michel auffällig ruhig zeigte.
Am dritten Morgen fuhren wir zum Tierarzt. Michel bekam zwei Spritzen, eine Tube „BringmeinenBauchinOrdnung“ passend zu seinen leicht abgemagerten 19 kg Körpergewicht plus die Anweisung, ihm Hühnchen mit Reis in kleinen Portionen zu füttern. Das zeigte Wirkung.
Unsere Nerven waren zu diesem Zeitpunkt bereits spürbar strapaziert. Alle zwei Stunden – auch nachts – mit ihm vor die Tür zu gehen, um die letzten Teppiche zu retten, war zermürbend.
Nach der Behandlung entspannte sich die Lage langsam. Michel schlief wieder die ganze Nacht durch. Sein Eigensinn war noch gedämpft, aber die alte Energie kam zurück. Für uns bedeutete das immerhin, nicht mehr im Zwei‑Stunden‑Rhythmus raus zu müssen und die Wohnung vor weiteren „Unfällen“ zu schützen.
Die Teppiche trockneten, und Michel schaute wieder mit diesem typischen Blick, der sagt: „Alles gut, ich bin wieder da.“ Genau in solchen Momenten merkt man, wie sehr ein kleiner Hund den Alltag bestimmen kann – und wie schnell man erleichtert aufatmet, wenn Hund wieder richtig Appetit hat.
Beim Vorgängerhund Leo war es ähnlich. Er war oft krank und brauchte viel Pflege. Mit der Zeit entstand daraus eine besondere Nähe. Nicht als Dankbarkeit – Hunde denken nicht in solchen Kategorien, sondern als stilles Vertrauen. Je mehr Versorgung er brauchte, desto stärker orientierte er sich an uns. Aus der täglichen Routine wurde Verlässlichkeit, und aus Verlässlichkeit wurde Bindung.
Diese Art von Nähe entsteht nicht durch große Gesten, sondern durch das schlichte, wiederholte Dasein: Füttern, versorgen, beruhigen, nachts aufstehen, die Lage im Blick behalten. Hunde merken, wer bleibt, wenn es anstrengend wird. Und genau dort wächst Vertrauen – langsam, aber dauerhaft.
Die Umsorgung honoriert Michel, indem er auf einmal fast "wohlerzogen" neben mir an der kurzen Leine läuft... und an der langen Leine auf Feldwegen immerhin für zwei Augenblicke zurückkehrt, wenn er gerufen wird: "Zu mir!"
WAU 
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de