[Vogelsberg] Seitdem wir verstanden haben, dass unser Redaktionshund seine Angst vor Unbekanntem in sinnloses Gehopse und hektisches Gezerre umsetzt, haben wir begonnen, einsame Wege grundsätzlich mehrfach zu gehen. Unser großer Tages-Spaziergang führt uns jetzt meistens über die Hügel rund um Ulrichstein. Als Nebeneffekt erschließen wir uns dadurch die nähere Umgebung und entdecken sogar hin und wieder Berichtenswertes :-)
Zum Beispiel die Ohm-Quelle, die Weitblicktour, den Judenpfad, das Zeltlager Eckmannshain, tote Rehe und Hasen, stille Ruhe-Bänke, herrliche Weitblicke oder dunkle, schattige Waldstücke, eingezäunte Solarfelder sowie die sogenannte "Charlottenhöhe", ein historisches - Gottseidank unbeachtetes - kleines Gebäude an der Ringstraße Hoher Vogelsberg.
Schutzhaus Charlottenhöhe, unter Denkmalschutz eingetragen in der Liste der Kulturdenkmäler von Ulrichstein-Feldkrücken (c) HESSENMAGAZIN.de
Angefangen hat Michels Wandlung damit, dass wir eine Pflanzung (Aufforstung) nah eines der seltenen Parkplätze an der schmalen Vogelsberglandstraße zwischen Dirlammen und Meiches im Vorbeifahren sichteten: Gut zum Anhalten und Fotografieren, doch das Licht stimmte nicht. Also kamen wir wieder, machten zusätzlich einen Spaziergang zwischen den Feldern und wunderten uns dabei über Michels Nicht-Gezerre. Relativ entspannt marschierte er mit uns mit; irgendwie schien ihm wohl die Gegend zu gefallen: KLICKmal.
Eine ähnliche Erfahrung machten wir bei unseren Touren auf dem "Eckmannshain" und der Weitblicktour <-KLICK. Unser Hund quittierte jede Runde mit dem Wiedererkennen von Pfaden bzw. Abkürzungen, die er uns auch anzeigte: "Hier lang?" Ganz toll fand er dabei einmal vor uns einen Rehkadaver am Wiesenrand - ein echtes Highlight für ihn, von dem wir ihn nur mit Mühe weghalten konnten.
Als wir einige Tage später an einem wahrscheinlich vom Traktor zerfledderten toten Hase vorbeikamen, erwachte in ihm plötzlich Jagdfieber: Flackernder Blick, gnadenloser Vorwärtsdrang, hektisches Geschnüffel... UFF, wir erkannten unseren chilligen Stubenhocker nicht wieder. Sooo gut, dass er an der Leine war!
Outdoortraining mit Michel (c) HESSENMAGAZIN.de
In der Folge entwickelte Michel täglich mehr Interesse an der von uns durchwanderten Gegend. Er hob immer öfter die Nase in den Wind, peste "wie blind" durch einen doppelhundehoch bewachsenen Wiesenrand und späht auch manchmal minutenlang lauschend in den Wald.
Und so stellen wir hiermit fest: Seine Angst vor dem großen Unbekannten namens Natur hat sich verflüchtigt. Erstaunlicherweise bewirkt das sogar, dass er beginnt, uns "mitzunehmen". Alle paar Minuten schaut er sich nach uns um, als wolle er sichergehen, dass wir bei ihm bleiben...
Aber leider nur dort, wo wir zuvor noch nicht gewesen sind ;-)

Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de