
Ehemaliges Kurhaus im Staatsbad Wilhelmsbad bei Hanau (c) HESSENMAGAZIN.d
[Hanau] Auf dem Gelände eines Steinbruchs in der Nähe von Hanau wurden im Wachenbuchener Wald vor mehr als 200 Jahren mondäne Kur- und Badeaanlagen geschaffen. Der junge Regent der Grafschaft Hanau, Erbprinz Wilhelm von Hessen-Kassel, ließ damals anlässlich eines 1709 entdeckten "guten Brunnens“ im heutigen Wilhelmsbad ein richtiges Kurbad mit Theater, Spielbank und Paddelteich errichten. Ein Lustschlösschen im Park – als Ruine erbaut - gönnte er sich ganz persönlich ab 1781, um fernab des Hofgeschehens im Schloss Philippsruhe am Main die Tage mit seiner Mätresse verbringen zu können, umgeben von seinem „geliebten Wald“.
Gartenkunst nah der Natur: Im Geist der Aufklärung und im Sinne der Romantik
Cancrin, Wilhelms Hofarchitekt, schuf mehrere unterschiedliche Bereiche im Park – zusätzlich zu den heiteren solche mit einer mystischen Atmosphäre. Die Erbauer von Landschaftsgärten inszenierten damals – der Garten-Mode des 18. Jahrhundert entsprechend – bewusst schöne, aber künstliche Naturbilder. Wie in Gemälden wurden diese mit schmückenden Kleinbauten im Park aufgewertet: Staffagebauten als Ruinen, Eremitagen und Grotten, Türme und Tempel. Dazu kamen Brücken und Wassersysteme, die der Natur nachempfunden waren.
Wilhelmsbad hat die Zeit überdauert allerdings nicht als Kurbad und nicht ganz schadlos. Seit 1948 ist Hessens Staatliche Schlösser- und Gärtenverwaltung bemüht, die 28 Hektar große Gesamtanlage instandzuhalten. Sie erstellt Pläne, mittels derer aus historischen Quellen der Zustand bis um 1900 rekonstruiert wird. Das Ergebnis ist entsprechend: Immer noch verlockt uns der öffentliche Staatspark Wilhelmsbad in jeder Jahreszeit zu Spaziergängen.

Teufelsbrücke: Staffagebau in Hanau-Wilhelmsbad (c) HESSENMAGAZIN.de
Bezeichnend ist neben der Wegeführung auch eine an Ketten über einem „Abgrund“ schwankende Teufelsbrücke hinter dem Karussel - HIER <-KLICK.
Das alte Karussell im Wilhelmsbader Park ist inzwischen wieder eröffnet
Nach vielen Jahren der Restaurierung dreht es sich wieder - gemütlich und etwas knarrend, aber immerhin. Rein rechnerisch und in Zahlen ausgedrückt: 10 x pro Stunde mit 30 Personen. 300 Leute können in den fein hergerichteten historischen Kutschen dabei sein. Auf den wunderschönen Holzpferdchen davor darf man nicht mehr Platz nehmen. Auch Hunde dürfen leider nicht mit und Kinder unter sechs Jahren nur in Begleitung Erwachsener.Das Karussell gehört ebenfalls dem Land Hessen. Ein Förderverein bietet an bestimmten Tagen Führungen und Fahrtage für das historische Kleinod an. Zu allen anderen Zeiten kann es von außen bewundert werden, ein durchsichtiger Vorhang bietet sogar Einblick ins Innere.
Besuch beim Einsiedler
Im hinteren Teil des ehemaligen Kurparks studiert eine lebensgroße Puppe in der Mönchskutte seit langer Zeit schon in einer Felsenhöhle ihre Bibel. In einem künstlichen Hügel liegt sie etwas versteckt in dem Wäldchen nahe des Tennisplatzes. Der Eingang ist mit einem Gitter verschlossen, doch man kann hindurchsehen.

Der Einsiedler im Staatspark Wlhelmsbad (c) HESSENMAGAZIN.de
Im 18. Jahrhundert verkörperte ein lebendiger Mensch diesen Eremiten in seiner Grotte. Als angestellter Einsiedler sollte er nach dem Willen Wilhelms die einfache Lebensart, abgeschieden von anderen Menschen, demonstrieren und seine Gäste durch seinen Anblick unterhalten. Wer den lebensgroßen Holzmönch in seiner feuchtkalten Eremitage erblickt, spürt vielleicht - dem damaligen Zeitgeist entsprechend - sein „sentimentales Gewissen“.
Doch recht selten kommt heute jemand dort vorbei. Moderne Menschen können der Idee, so zu leben, wenig abgewinnen. Deswegen wird wohl in den Beschreibungen der Anlage der Einsiedler nicht sehr oft hervorgehoben. Hinfinden <-KLICK
Theater im historischen Comoedienhaus in Wilhelmsbad

Comoedienhaus-Bühne - heute mit moderer Technik ausgestattet (c) HESSENMAGAZIN.de
Als so genannter "Profanbau", weltlich geprägt und der Öffentlichkeit zugänglich, wurde das Theater im Jahr 1781 von Hofbaumeister Cancrin für den kurhessischen Erbprinzen und späteren Landgrafen bzw. Kurfürsten Wilhelm von Hessen-Kassel (1743-1821) im Kurpark ca. 30 Meter lang und etwa 12 Meter breit aus Sandstein errichtet. Außen schmucklos, war der Quaderbau jedoch innen reich mit hölzernen Details verschönert.
Bis vor einigen Jahren zeichnete der Hessische Rundfunk im Hanauer Comoedienhaus seine „Wilhelmsbader Produktionen“ auf, spezielle Hörfunk- und Fernsehproduktionen mit Künstlern von internationalem Rang und einem ausgewählten Publikum. Bis jetzt diente das Comoedienhaus mit seinen rund 200 Aufführungen im Jahr dem kulturellen Leben der Stadt Hanau. Es gilt als kulturhistorisches Juwel. Nun soll seine Sanierung die technische Infrastruktur modernisieren und den Standort mit dem historischen Charakter bewahren.
Ein im März 2026 unterzeichneter Letter of Intent legt fest, welche Maßnahmen umgesetzt werden und wie die Finanzierung organisiert ist. Bund, Land und Stadt tragen die Kosten. Im Erweiterungsbau wird das Glasfoyer saniert. Ein barrierefreier Neubau soll entstehen mit Platz für Bewirtung, Garderoben und Sanitäranlagen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Sanierung des Kavaliersbaus mit Keller, Fassade und Teilen des Dachs.
Die Bauarbeiten werden rund 13,7 Millionen Euro kosten.
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de




















180.jpg)










