Armutsrisiko: Rang vier im Ländervergleich

Gut zu wissen - Lifestyle
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Spende: Einwurf Flaschenpfand-Bons im Supermarkt (c) HESSENMAGAZIN.de[Hessen] Das Risiko für Kleinkinder, in Armut aufzuwachsen, ist im vergangenen Jahr in Hessen gesunken, hat eine Erhebung der Bertelsmann Stiftung* ergeben. Die Zahl der Kinder unter drei Jahren in "armen" Bedarfsgemeinschaften** verringerte sich in diesem Zeitraum von 28.300 auf 25.700. Die Armutsquote in dieser Altersgruppe hat sich im Vergleich zum Vorjahr (18,3 Prozent) bei 16,6 Prozent eingependelt. Der Bundesdurchschnitt liegt trotzdem noch bei 18,2 Prozent!

25.700 Kleinkinder Hessens wachsen in Bedarfsgemeinschaften auf

Vor größeren Herausforderungen stehen manche Großstädte, wie Wiesbaden (25,3 Prozent) und Frankfurt (22,8 Prozent). Die Stadt mit der bundesweit höchsten Armutsquote bei Kleinkindern ist Gelsenkirchen (40,5 Prozent). Ost-West-Gefälle: Im Osten Deutschlands hat sich die Kinderarmutsquote bei unter Dreijährigen von 33,4 Prozent im Jahr 2008 auf derzeit 25,5 Prozent reduziert.

Quelle Text: Bertelsmann Stiftung


Destatis: Jede/r Fünfte in Deutschland ist von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen

Etwa jede/r Fünfte (19,9 %) in Deutschland - das sind rund 16 Millionen Menschen - war 2011 von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen (2010: 19,7 %). Dieser Indikator ist neben der Armutsgefährdungsquote ein weiteres wichtiges Ergebnis der Erhebung LEBEN IN EUROPA 2011***, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Armut oder soziale Ausgrenzung ist nach der Definition der Europäischen Union (EU) gegeben, wenn bei den befragten Haushalten eines oder mehrere der drei Kriterien "Armutsgefährdung", "erhebliche materielle Entbehrung", "Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung" vorliegen. Mehr dazu: HIER <-KLICK

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)


Zum Foto: Gute Tat im Supermarkt

Verbraucher, die ihre leeren Einwegflaschen zurückbringen, finden neben manchen Flaschen-Automaten eine Möglichkeit, den Bon zu spenden. Hier ist es die Hanauer "Tafel", der das Geld zugute kommt. Dort, in der modernen Form einer "Suppenküche", erhalten Bedürftige Lebensmittel, oft ein warmes Essen und teilweise auch Gegenstände zum täglichen Bedarf. In Hanau ist das beispielsweise der "Lichtblick", in dessen "Kleinem Laden" man auch direkt etwas als Spende abgeben kann: HIER <-KLICK.


Gut zu wissen

* Bertelsmann Stiftung: Die Stiftung engagiert sich operativ, jedoch nicht fördernd, für das Gemeinwohl, in der "Überzeugung, dass Wettbewerb und bürgerschaftliches Engagement eine wesentliche Basis für gesellschaftlichen Fortschritt sind" (Zitat). Projekte Dritter werden nicht unterstützt.

**Armut: Bei der Analyse der Bertelsmann Stiftung gelten Kinder als arm, die in Familien aufwachsen, die von "Sozialhilfe" leben, Grundsicherungsleistungen (SGB-II-Bezug), auch Harz IV genannt. Ebenfalls arm sind Familien mit genau solchem niedrigen Einkommen. Dreijährige Kinder in Bedarfsgemeinschaften haben einen monatlichen Anspruch (Regelbedarf von unter Sechsjährigen) auf 219 Euro. Damit werden Essen, Kleidung, Bett, Schrank und Tisch, ein warmes Zuhause mit Warmwasser zum Waschen plus Seife und Zahnpasta bezahlt. Kosten für Bedürfnisse des täglichen Lebens (Schulranzen) sowie in vertretbarem Umfang auch Beziehungen zur Umwelt (Ausflüge) und die Teilnahme am kulturellen Leben (Kasperletheater) sollen damit ebenso abgedeckt werden. Nachlesen: HIER <-KLICK 

*** Der Sozialindikator der „Strategie Europa 2020“ dient der Messung mit dem Ziel, Armut zu vermindern. Eingeschränkt am sozialen Leben teilnehmen heißt dabei: Man kann aus finanziellen Gründen laufende Rechnungen nicht begleichen, nicht mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit einnehmen, keine notwendigen Anschaffungen tätigen, sich keine Urlaubsreise oder keinen Pkw leisten. Gehen Fernseher oder die Waschmaschine kaputt, hat man ein Problem. Auch ein Telefon steht oft nicht zur Verfügung.