Graffiti: OSCAR auf der Brücke

Gut zu wissen - Lifestyle
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Graffiti an einer Eisenbahnbrücke über den Main (c) HESSENMAGAZIN.de
Graffiti an einer Eisenbahnbrücke über den Main (c) HESSENMAGAZIN.de

[Hanau-Steinheim] Subkultur, subversiv, Street-Art, Stadtindianer... Worte, die uns einfallen angesichts solcher "Malereien" an Fassaden, auf Mauern und ähnlich normalerweise Unerreichbarem. Meistens werden solche Graffiti im Schutz der Nacht gesprüht. Viele Betrachter halten sie für Schmierereien. Doch oft enthält die "Phantomkunst" eine Botschaft. 

Der Duden ordnet die weithin sichtbaren Dekos im Außenbereich der Kunst zu: "auf Wände, Mauern, Fassaden usw. meist mit Spray gesprühte oder gemalte [künstlerisch gestaltete] Parole oder Figur".  Aber er weist ihnen auch eine Bedeutung aus dem italienischen graffiare = kratzen zu: "in eine Wand eingekratzte [kultur- und sprachgeschichtlich bedeutsame] Inschrift".

Die Angst vor dem großen Bruder: Kilroy was watching you

Die Kunst des "Wall Writing" wurde in den 1970er Jahren wiederbelebt. Schmähschriften, Karikaturen und militante Sprüche kamen als visueller Protest der Jugend daher. Heute rühren ihre Aussagen nicht mehr im gleichen Maße so aufreizend an Tabus. Nonkonformismus ist längst Mode geworden. Jeder pflegt (s)einen besonders individuellen Stil. Familiäre Streithähne mit keifenden Stimmen, bei Frauentausch eingehandelte Zicken, der linkische Bauer aus dem Hinterland und Messis mit turmhohen Müllbergen im Haus dürfen im Fernsehen sogar öffentlich eine "Rolle" spielen.

Zornig oder frech war einmal. Jetzt sind alle so.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg und dem darauf folgenden Wirtschaftswunder die Behörden ihren Denkapparat wieder in Gang setzten, um Großgemeinden, Mittelpunktschulen und Hochhaussiedlungen am Rande der Großstädte zu kreieren, da war wohl Rebellion gegen Seelenlosigkeit und Isolation in Wohnsilos angesagt. Aber wer spricht denn heute noch von lebensfeindlichen "Betonwüsten"...? Wir haben doch die schöne bunte Innenwelt der Computer, Smartphones und Digicams, dazu Internet-Blogs, WKW und das tolle Facebook zum Meinungsbilden, Freunde ausdeuten oder Blödmänner mobben :-)

Tja, und humorvolle Comics / Situationskomik, auch das war einmal: Wer das liest ist doof... *g*

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