Bauernproteste: Was man dazu wissen sollte über die Agrarwirtschaft

Montag, den 05. Februar 2024 um 08:12 Uhr Gut zu wissen - Landwirtschaft + Naturschutz
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Agrar Import Export (c) WTO, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
Agrar Import Export (c) WTO, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

[Deutschland] Am 12.01.2024 veröffentlichte Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) obige Information zur Marktsituation - kurz und prägnant grafisch dargestellt. Man staune: Deutschland ist im Agrarbereich eine der führenden Handelsnationen – sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten. Zwischen 2021 und 2022 stiegen die deutschen Agrarexporte zudem laut BZL um vier Prozent. Gleiches gilt für die Agrarimporte. Was bedeutet, dass unsere gerade heftig protestierenden Bauern nicht nur uns das Essen auf den Teller liefern. Es wir auch eifrig nach anderswo verkauft!

Andersherum betrachtet: In Deutschland überwiegen die Importe die Exporte um etwa 26 Prozent. Das heißt: Unsere Bauern füllen unsere Teller nur zum Teil, denn Deutschland kauft Agrarprodukte im Ausland ein.

Nur mit Kartoffeln werden wir hierzulande reichlich versorgt. Und bei Zucker, Fleisch, Milch und Getreide übersteigt laut BZL sogar die Erzeugung den Bedarf.


Getreideverwendung in Deutschland (c) BLE

Wie man auf der nebenstehenden Grafik des Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) erkennen kann, landen vom Weizen deutschlandweit übrigens nur rund 21 % in unserem Essen.

Mehr als 56 % werden an die Tiere verfüttert, die übrigens auch nicht alle in unserer deutschen Wurst bzw. Bratpfanne enden.

Selbst genauer nachlesen: HIER <-KLICK.

Das auch noch: Der Selbstversorgungsgrad mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen in Deutschland zeigt, in welchem Umfang die heimische Landwirtschaft unseren Nahrungsmittel-Bedarf decken kann: Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre rein rechnerisch gesehen zu 83 Prozent.

Bericht der Bundesregierung vom 08.11.2023 über die komplette Lage der Landwirtschaft der letzten vier Jahre: HIER <-KLICK

Ab Seite 25 findet man Informationen zum Einkommen der Landwirte und der Entwicklung - aufgedröselt in einzelne Sparten sowie Haupt- und Nebenerwerb mit Hofladen, Biogaserzeugung, Lohnarbeit oder Fremdenverkehr und Landschaftspflege.

Ausschnitt Haupterwerbsbetriebe - Seite 28 Agrarpolitischer Bericht (c) Bundesregierung
Ausschnitt Haupterwerbsbetriebe - Seite 28 Agrarpolitischer Bericht (c) Bundesregierung

Wir zitieren das BMEL: Im Wirtschaftsjahr 2021/22 stieg der Gewinn um 46,9 Prozent auf 81.935 Euro pro Unternehmen, das Einkommen um 35,4 Prozent auf 46.118 Euro/AK (Arbeitskraft) und damit auf den jeweils bisher höchsten nominalen Wert.

Schau an!

Man sollte also die Bauernproteste besser differenzierter sehen. Die Landwirtschaft wird eigentlich gut und von verschiedenen Seiten unterstützt. Es gibt unter anderem wertvolle Tipps zum Geldverdienen z. B. mit einem kostenlosen Praxileitfaden für das Anlegen von Selbsterntegärten <-KLICK.

Dazu bekamen die Landwirte ab 2019 eine Unterstützung von Papa Staat für mehr Blühflächen <-KLICK.

Doch diese "Gelddruckmaschine" wurde erstmal auf Eis gelegt: Die für 2023 vorgesehene Verdopplung der ökologischen Flächenstilllegung und ein verpflichtender, ökologisch begründeter Fruchtwechsel wurde laut wirtschaftsdienst.eu <-KLICK erstmal um ein Jahr verschoben.

Damit hörten auch plötzlich die etwas dubiosen Versuche einzelner Bauern auf, Privatleute als Paten für Blühflächen, sprich Bienenweiden, für 1 Euro pro Quadratmeter anheuern. Da nach der Ernte sowieso oft lediglich blühende Zwischenfrüchte als Tierfutter oder zur Bodenverbesserung, z. B. Phacelia, Sonnenblumen und Senf etc., eingesät werden, könnte man das Ganze als bäuerliche Augenwischerei bezeichnen. Erst recht, wenn dafür nicht nur zusätzlich Geld von Privatleuten gespendet wurde, sondern obendrauf auch noch im Rahmen der Greeningprämie Finanzmittel der EU in die Kasse der Landwirte flossen.

Cool


Was die ganze Sache toppt

Im Förderprogramm des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft werden weltweite Unternehmerreisen angeboten

Wenn der gutsituierte Bauer von seinem teuren Monstertraktor umsteigt aufs Flugzeug, kann er mit seinen Kollegen an organisierten Reisen teilnehmen, um neue Zielmärkte für seine Produkte zu erschließen. Dafür werden im Ausland "Besichtigungen, Seminare, Gesprächsrunden und Store-Checks offeriert. Auch Briefings lokaler Experten sind im Angebot. Besuche bei Importeuren, Groß- und Einzelhändlern vermitteln konkrete Einblicke in die Konkurrenzsituation und das Preisgefüge für Produkte".

www.agrarexportfoerderung.de/unternehmerreisen <-KLICK

Die Reisekosten (Flug / Hotel etc.) trägt jeder selbst. "Das BMEL beteiligt sich mit einer "De-minimis-Beihilfe" an den Kosten von Organisation und Durchführung der Reise." Bei bestimmten Veranstaltungen sind jedoch im Schnitt 1.000 Euro von den Teilnehmern zu bezahlen.

Zu den Interessensbekundungen... Hier entlang <-KLICK.

Quelle Zusammenstellung: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de