Hot City Summer - UPDATE: Abhilfe-Projekt des Umweltministeriums?

Donnerstag, den 29. August 2019 um 00:00 Uhr Gut zu wissen - Klima - Wetter - Wandel
| Drucken |

Sommer 2019: Bäume am Hanauer Kinzigufer zeigen Trockenschäden (c) HESSENMAGAZIN.de
Gelbe und braune Blätter: Die Bäume am Hanauer Kinzigufer zeigen erste Trockenschäden (c) HESSENMAGAZIN.de

[Hanau] Da haben wir's. Der zweite krasse Hitzesommer in Folge hinterlässt nicht nur an den Bäumen im Wald Schäden. Das momentane Waldsterben 4.0 ist durchaus mit der Stadtglut 2.0 gleichzusetzen. Weil es zwischen den Häusern nicht mehr kühl wird, es nicht regnet, die auch angekündigten Gewitter komischerweise Hanau ständig umgehen, brüten wir nun bei afrikanischen Temperaturen regelrecht vor uns hin. Und an den Bäumen hängen vertrocknete Blätter!

Der Beweis

Unsere kleine Wetterstation zeigt abends um 22:35 Uhr draußen (grün) 27,1 Grad und 46 % Luftfeuchtigkeit.

Temperatur am 25. August 2019 abends (c) HESSENMAGAZIN.de
Temperatur am 25. August 2019 abends (c) HESSENMAGAZIN.de

Tage später bleibt die Innentemperatur (blau) über Nacht konstant bei 28 Grad. Spätestens ab 10 Uhr morgens steigt sie wieder, bis sie gleichzieht mit der Außentemperatur => mehr als 30 oder auch 40 Grad am Tag.

Temperatur am 28. August 2019 morgens (c) HESSENMAGAZIN.de
Temperatur am 28. August 2019 morgens (c) HESSENMAGAZIN.de

Der Computer im Büro steht inzwischen auf Kühlakkus, überall laufen Ventilatoren und trotz leichter Bekleidung kommt man sich vor wie früher im Süden. Doch dort ging man nach der Siesta an den Strand... Den gibt es hier nicht. Nur ausgetrocknete Bäche und brackige Seen.

Macht keinen Spaß!


Und als hätte man es geahnt, dass unsere Geduld zu Ende geht, trudelt fast zeitgleich diese Meldung bei uns ein:

"Abkühlung für heiße Städte"

Das Projekt „KLIMPRAX Stadtklima“ unterstützt Kommunen bei der Anpassung an den Klimawandel

[Hessen und Drumherum] Hitzewellen in immer kürzeren Abständen, extreme Trockenheit, keine Abkühlung in den Nächten – wie schon der vergangene führt uns auch der diesjährige Sommer erneut drastisch vor Augen, dass der Klimawandel Hessen und Rheinland-Pfalz längst erreicht hat. Vor allem die Städte stellt dies vor besondere Herausforderungen: Dort leben nicht nur die meisten Menschen, es ist dort auch am heißesten.

Unter der Hitze in den Städten leiden besonders Ältere, Kranke und Kinder. Gleichzeitig ziehen die Städte immer mehr Menschen an, für die Wohnraum geschaffen werden muss – städtebauliche Planung sollte hier mit Blick auf den Klimawandel vorausschauend agieren.

Das vom Fachzentrum Klimawandel und Anpassung im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) initiierte Projekt „KLIMPRAX Stadtklima“ soll Kommunen hierbei unterstützen.

Im Roncallihaus in Wiesbaden wurden die Ergebnisse von KLIMPRAX-Stadtklima vorgestellt

„Die Klimakrise stellt uns vor große Herausforderungen: Unsere Städte werden sich in den nächsten Jahrzehnten verändern müssen. Dafür sind wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse wichtig: Deshalb wurde vom Land das Fachzentrum Klimawandel und Anpassung eingerichtet, um Lösungen für die Herausforderung Klimawandel zu liefern“, sagte Umweltministerin Priska Hinz im Roncallihaus.

„Gerade haben wir eine verbesserte Förderung für Städte und Gemeinden auf den Weg gebracht: Wir unterstützen Städte mit bis zu 90 Prozent Förderquote zum Beispiel dabei, ein Trinkwasserbrunnennetz einzurichten. Außerdem wird die Begrünung von privaten Häusern und Innenhöfen in Städten gefördert, denn diese sind wichtig, um ein gutes Stadtklima zu erhalten. Darüber hinaus berät das Land Städte und Gemeinden, welche Klimaanpassungsmaßnahmen für sie sinnvoll sind. Dies übernimmt unter anderem das Fachzentrum Klimaschutz und Anpassung. Mit der heute vorgestellten Studie zum Stadtklima hat das Fachzentrum Hilfestellung und Handlungslösungen für eine klimastabile Stadtentwicklung vorgelegt, die nun vielen Kommunen zu Gute kommt“, ergänzte Hinz.

Innerhalb des Projekts wurden für die Modellkommunen Wiesbaden und Mainz zunächst die stark von Hitze belasteten Stadtteile ermittelt. In einem weiteren Schritt wurde untersucht, wo in diesen Gebieten besonders empfindliche Bevölkerungsgruppen leben – hier muss zuerst gehandelt werden.

Der im Projekt entwickelte Handlungsleitfaden liefert zahlreiche Empfehlungen dafür, welche Faktoren Städte bereits bei der Planung von Bauvorhaben berücksichtigen können, um sich dem Klimawandel anzupassen – von der Ermittlung der fachlichen Grundlagen bis hin zu konkreten Anpassungsmaßnahmen.

So sollten zum Beispiel Kaltluftentstehungsgebiete (Äcker und Wiesen) und Kaltluftschneisen, durch welche kühle Luft in die Städte fließt, nicht verbaut werden.

Stattdessen sollte durch Nachverdichtung in den Städten oder durch die Ausrichtung der Bebauung in Windrichtung die Frischluftzufuhr sichergestellt werden.

Auch eine Verringerung der Versiegelung und die Neuanlage von Parks und Grünflächen tragen zu einem besseren Klima in der Stadt bei. Der Handlungsleitfaden hilft bei der Entscheidung, wo Grünflächen besonders sinnvoll und wichtig sind.

Für die Bewohner können weitere Maßnahmen umgesetzt werden

Von der Bereitstellung klimatisierter Räume in öffentlichen Einrichtungen über die Einrichtung eines Buddy-Systems zur Unterstützung beispielsweise älterer Menschen bis hin zum Einsatz mobiler Grünanlagen – das sind transportable dicht bepflanzte Wände mit Sitzflächen, die an heißen Tagen Schatten und frische Luft spenden.

„Die Ergebnisse dieses Projekts stellen nicht nur für die beteiligten Städte, sondern für alle Kommunen eine Hilfe für ihre Stadtplanungsprozesse zur Verfügung, um zum Wohl ihrer Bewohner geeignete Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel zu ergreifen“, so HLNUG-Präsident Prof. Dr. Thomas Schmid. „Ich würde mich freuen, wenn wir in einem weiteren Projekt einen Bebauungsplan in einer hessische Kommune begleiten und so die erarbeiteten Konzepte in die Praxis umsetzen könnten.“

Die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder erklärte: „Der Klimawandel verändert Landschaften, Lebensbedingungen und Lebensräume für Menschen und Tiere“, betonte die Mainzerin. „Seine Auswirkungen spüren wir alle: Dazu gehören Überflutungen, Trockenheit, Artensterben durch verlorene Lebensräume und natürlich seine Auswirkungen auf die Menschen. Der Klimawandel ist die neue soziale Frage! In vielen Regionen gehört er bereits zu den Fluchtursachen. Wir müssen die Spirale der Erderwärmung unbedingt aufhalten.“

Angesichts des sich zuspitzenden Klimawandels braucht es praxisorientierte Forschung, die wirkungsvolle Anpassungsstrategien liefert“, betonte Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende. „Das Projekt KLIMPRAX Stadtklima erreicht das in vorbildlicher Weise“.

Projektpartner:

·         Landeshauptstadt Wiesbaden

·         Landeshauptstadt Mainz

·         Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz

·         Kompetenzzentrum Klimawandelfolgen des Umweltministeriums Rheinland-Pfalz

·         Deutscher Wetterdienst

Weitere Informationen zum Projekt „KLIMPRAX Stadtklima“ finden Sie auf den Internetseiten des HLNUG: https://www.hlnug.de/?id=10236

Quelle: Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, 29. August 2019


HESSENMAGAZIN.de Kommentar: Nachhaltig geht anders!

Tja, das Vorhaben KLIMPRAX Stadtklima klingt für uns leider mächtig nach Hilflosigkeit und dem Griff nach dem angeblich rettenden Strohhalm. Sorry Leute, was können diese Maßnahmen (siehe unsere Markierungen) bitteschön in Wirklichkeit ausrichten? Und bis wann sollen die Häuser in Windrichtung (in welche denn?) gebaut werden?

Außerdem: Wenn die Hitze über unserem küstenlosen Land flirrt, entsteht auch auf Äckern und Wiesen keine Kaltluft mehr. Unsere rundherum zugebauten Wiesen / Grünflächen, Grünanlagen (auch noch zum Rumschieben..?) sind längst ausgedörrt und geben definitiv keine Verdunstungskühle mehr ab!

Aber, wenn man dann vielleicht bald im geplanten Trinkwasserbrunnennetz den Rasensprenger anschließen kann, ist die Welt sicher wieder in Ordnung... auch auf die Gefahr hin, dass der Grundwasserspiegel auf "leer" sinkt...???

Hm, und falls man dann noch für die besonders Hitze-geplagten Leute klimatisierte Räume (Hallen?) neben Supermärkte, Tankstellen, TV-Studios und Behördenhäuser stellt, dann pusten deren Anlagen <-KLICK eine große Menge warme Luft in die Umgebung und verbrauchen immens viel Strom. Daran ist gar nichts umweltfreundlich.

Im VW-Mutlivan: Unser täglich benutztes Redaktionsauto (c) HESSENMAGAZIN.de
Im VW-Mutlivan: Unser täglich benutztes Redaktionsauto (c) HESSENMAGAZIN.de

Wir empfehlen für eine "praxisorientierte Forschung" allen Theoretikern, ihren Schreibtischstuhl ausnahmsweise mal zu verlassen und sich (mit einem modernen, gut isolierten Großraumfahrzeug) einen Tag lang auf eine durchschnittliche Hochsommer-Expedition in der Mitte Deutschlands zu begeben, um bestimmte Erfahrungen mit der Hitze zu sammeln.

Klimaanlage an (funktioniert nur bei laufendem Motor!) und im Cockpit sowie im Fahrgastraum (mit Sonnenschutzrollos) sind Thermometer angebracht:

  1. Der Beifahrer notiert Anfangstemperaturen on Board und Straßentemperatur (abgelesen von der Anzeige im Armaturenbrett).
  2. Wenn die Klimaanlage einen schon frisch (wie kalt, wird individuell entschieden) gepustet hat und man kurz vor dem Kratzen im Hals dort sitzt und mit leicht geröteten Augen zwinkert, wird die verstrichene Zeit aufgeschrieben.
  3. Anschließend werden Parkplätze aufgesucht - einmal in der Sonne, einmal im Schatten.
  4. Das Auto wird für eine Viertelstunde / halbe Stunde dort abgestellt und beim Öffnen der Türen stellt man sich vor, das Baby, die Oma oder der Hund hätten darin gewartet... Nach einer Stunde wären sie einem Hitzschlag erlegen - wetten?
  5. Danach wird über die Autobahn - möglichst mit Stau / Stop & Go - in der Rushhour gefahren. Wer zwischendurch einen Blick auf die Spritanzeige wirft, bemerkt, wie die Klimaanlage zusätzlich den Tank leersaugt.
  6. Auf der Landstraße kann man dann feststellen, dass Streckenabschnitte zwischen Wiesen und Feldern keinen kühleren Asphalt aufweisen.
  7. Die Außentemperatur sinkt nur dann um wenige Grad, wenn man durch Wald fährt oder Richtung Mittelgebirge in höhere Lagen kommt.

Der Multivan in der Stadt (c) HESSENMAGAZIN.de VB-Bus im Grünen (c) HESSENMAGAZIN.de
Links: Der Multivan in der Stadt - rechts: das selbe Fahrzeug zwischen trocknem Grün (c) HESSENMAGAZIN.de

Fazit: Eine klimatisierte "Kiste" im Meer der Hitze - bzw. ein wenig gedämmtes Haus oder eine Schatteninsel - ist / sind nicht dauerhaft kühl zu bekommen, so lange die Sonne stundenlang brandheiß vom Himmel herunterbrennt.

Die Tester werden feststellen, dass die Fördermaßnahmen für KLIMPRAX Stadtklima bislang noch fast alle an der Wirklichkeit vorbeigehen. Inzwischen schmoren weiterhin unbewegliche alte Menschen in ihren Pappschachtelwohnungen vor sich hin, kranke Leute liegen in ihrem Bett im "Zug" (Wind) und kleine Kinder bekommen einen hochroten Kopf vor Anstrengung, wenn man sie auf den Spielplatz läßt.

So what.

Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de

284