Bienenvölker sichern den Fortbestand von Wild- und Kulturpflanzen

VB - Der Vogelsberg ist Kult
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Nachhaltigkeit: Hand in Hand mit dem Naturschutz

Tag der Nachhaltigkeit: Gäste und Akteure im Naturschutz-Infozentrum auf dem Hoherodskopf (c) Brigitta Möllermann
Tag der Nachhaltigkeit: Gäste und Akteure im Naturschutz-Infozentrum auf dem Hoherodskopf - v.l.: Sebastian Stang, Peter Zielinski, Willi Zinnel, Susanne Schaab, Sarah I., Rudolf Frischmuth (c) Brigitta Möllermann

[Vogelsberg - Hessen] Der von der hessischen Landesregierung initiierte zweite Tag der Nachhaltigkeit mit dem Leitthema Energie hatte sich in diesem Jahr einerseits dem Ziel verpflichtet, die Vielfalt der Natur zu erhalten, andererseits schonend mit natürlichen Ressourcen umzugehen und zudem zukünftig maßvoll zu wirtschaften. Rund 500 Aktionen und Veranstaltungen fanden dazu 2012 in Hessen statt. Entsprechend waren am 19. September Gäste und Besucher im Informationszentrum auf dem Hoherodskopf zusammengekommen.

Auf dem Hausberg der Vogelsberger bot sich im Naturschutzzentrum der richtige Rahmen für das Thema, das ferner Interessantes zum Naturpark Hoher Vogelsberg und über das Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg präsentierte. Gastgeber Willi Zinnel aus Schotten-Breungeshain,Tierwirt und Hessenimker aus Überzeugung, rückte den Honig ins Scheinwerferlicht, der seit Jahrtausenden eine besondere Energiequelle für den Menschen darstellt.

Imker Zinnel erklärt einer Kindergruppe das Leben und Wirken der Honigbienen (c) Brigitta Möllermann
Imker Zinnel erklärt einer Kindergruppe das Leben und Wirken der Honigbienen (c) Brigitta Möllermann

Mit Maßnahmen, wie der Zucht von Honigbienen, wirken Willi Zinnel und seinen Imkerkollegen dem Bedenken "Stirbt die Biene, sterben auch wir" entgegen. Auf Schautafeln und mit Informationsmaterial gewährte er an diesem Tag aufschlussreiche Einblicke in das Leben und Wirken von Honigbienen: "Der Imker ist eine Begleitperson, die den Bienenvölkern eine angemessene Wohlfühlatmosphäre bietet.“ In einem gläsernen Schaukasten führte eins seiner fleißigen Bienenvölkchen mitsamt Königin anschaulich dazu ihr Treiben vor. Frisch geschleuderter Honig konnte probiert und auch erstanden werden, wer von den Gästen wollte, durfte Wildblumensamen- Kärtchen mit nach Hause nehmen.

Lernen und Handeln für unsere Zukunft: Nachhaltige Entwicklung ist kein Luxus

Als spezieller Gast vertrat Sarah Behrens aus Schlitz als Hessische Honigkönigin Sarah I. während ihrer Regentschaft in diesem Jahr die 7.640 hessischen Imker im Landesverband. Mit ihren insgesamt 750.000 Bienenvölkern produzieren sie im Schnitt jeweils 15 bis 20 kg Honig, was einen durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 1,2 Kilo ergibt, den jeder Deutsche "vernaschen" kann.

Die Studentin der Betriebswirtschaft stammt aus einer Imkerfamilie und fand das diesjährige Thema Nachhaltigkeit besonders spannend. Sie hatte zur genauen Bedeutung des Begriffes im Internet recherchiert und verwies darauf, dass nur weitsichtiges Wirtschaften der Menschen für ein ökonomisches, ökologisches und zudem soziales Lebens sorgen könne. Am Ende überreichte sie lächelnd den geladenen Gästen je ein Glas Honig aus "eigener königlicher Herstellung."

Aus Überzeugung zum Naturprodukt: Hessenimker Willi Zinnel und Hessens Honigkönigin Sarah I. mit Honigwabe (c) Brigitta Möllermann
Aus Überzeugung zum Naturprodukt: Hessenimker Willi Zinnel und Hessens Honigkönigin Sarah I. mit Honigwabe (c) Brigitta Möllermann

Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab, die zum letzten Tag der Nachhaltigkeit im Jahr 2010 mit Schülern der Jahrgangsstufe 8 in der Vogelsbergschule in Schotten einen Fotowettbewerb „Unsere Lieblingsorte“ veranstaltet hatte, wusste, wie begeistert der Nachwuchs bei der Sache war. Mit "Vitale Orte 2020 - Unsere Lieblingsplätze morgen" hatten sie diskutiert, wie lebenswert man sich seine Plätze in 20 Jahren vorstellte. In diesem Rahmen sah sie die Bienenzucht und die Bedeutung für heimische Blütenpflanzen und den Erhaltung des Obstbaumbestandes als lebendiges Pädagogik-Thema für Kinder an: "Honig und Milch kennt jedes Kind. Herauszufinden, wo das herkommt, kann sogar richtig Spaß machen."

Sie überreichte Willi Zinnel ein Schild, das der Naturpark in Auftrag gegeben hatte: "Entwicklung der Biene". Der Imker bedankte sich erfreut und demonstrierte den versammelten Gästen seinen neuen, lustig bunt bedruckten "Imkerhelferhut" für Kinder. Dieser baue eventuelle Ängste vor den Tierchen ab, wenn er in Feriendörfern o. ä. Vorträge über die Honigbiene vor Schülern und Lehrern halte.

Neben Bürgermeisterin Schaab: Willi Zinnel zeigt den Imkerhut für Kinder (c) Brigitta Möllermann
Neben Bürgermeisterin Schaab: Willi Zinnel zeigt den Imkerhut für Kinder (c) Brigitta Möllermann

In seinem Grußwort deutete der Vogelsberger Kreisbeigeordnete Peter Zielinski auf die gemeinsame wirtschaftliche Leistung der Bienen hin: "Achtzig Prozent unserer Pflanzen leben durch Bestäubung." Obendrein nahm er Bezug zum Naturschutzgroßprojekt und verwies auf die lange Geschichte der Bienenzucht. Seit Urzeiten hätten sich die Menschen mit Bienen befasst. Nachwuchsproblemen der Imkern könne man eventuell durch entsprechende PR-Maßnahmen beim Naturschutzgroßprojekt gegensteuern. Er wünschte Willi Zinnel weiterhin: "Allzeit vielen guten Honig".

Zur "Nachhaltigkeit" war Naturpark-Geschäftsführer Rudolf Frischmuth überzeugt, dass diese sicherlich von seiner Zunft, den Förstern, "erfunden" worden wäre. Vor über 100 Jahren hätte es in Hungen bereits die erste Forstschule gegeben, die sich auch mit der Nutzung von Wildbienen befasst hatte. Wichtig solle deswegen bleiben, mit der Natur nachhaltig zu verfahren, so dass auch unsere Nachkommen davon profitieren: "Imker verstehen das. Sie sind uns darin ein Vorbild."

Drei Tage Zeit in der Vogelsberger Natur: Diese Keglergruppe aus Wiesbaden ließ sich auf dem Hoherodskopf informieren (c) Brigitta Möllermann
Drei Tage Zeit in der Vogelsberger Natur: Diese Keglergruppe aus Wiesbaden ließ sich auf dem Hoherodskopf informieren (c) Brigitta Möllermann

Als Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes hatte sich Diplom-Forstwirt Sebastian Stang mit seiner Mitarbeiterin Ellen Smykalla bereit erklärt, zum Tagesthema im Infozentrum seine Arbeit ebenfalls vorzustellen. Den Bezug zum Thema Honig stellte er mit dem Satz her: "Der Imker sät nicht und erntet doch." Im besonders artenreichen Vogelsberg wurde das Naturschutzgroßprojekt angesiedelt, das sich über eine Gesamtfläche von 92.000 Hektar erstreckt. Hier ist es das Ziel, 9.800 Hektar davon durch Naturschutzmaßnahmen und entsprechend angepasste Nutzung in seiner Biodiversität zu erhalten. Auf diese Weise werden auch die Nahrungsquellen der Honigbienen auf Dauer gesichert sein.


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