Ein viel beachtetes Konzert, Nikolausaktionen und weiterer Protest im Dannenröder Wald

Samstag, den 05. Dezember 2020 um 09:00 Uhr Gut zu wissen - Dannenröder Wald
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Eins der letzten Baumhäuser im Wald (c) Dannenröder WaldbesetzungE
Eins der letzten Baumhäuser im Wald (c) Dannenröder Waldbesetzung

[Dannenrod / Vogelsberg] Am Freitag, 4.12.2020, spielte der bekannte Pianist Igor Levit in Dannenrod gegen die Zerstörung des Waldes (Video <-KLICK). Zusammen mit Luisa Neubauer (Fridays for Future) und Gesche Jürgens von Greenpeace hat der Hochschulprofessor sich für den Schutz des Danni aussprochen. Das musikalische Statement für den Erhalt des Waldes wurde inmitten der umstrittenen Rodung gesetzt und mit Funklautsprechern übertragen. Am Nikolaussonntag, 6.12.2020, wurde aufgrund der besonders kritischen Situation im Wald bereits um 12 Uhr der Waldspaziergang angeboten.

Mit dabei waren bekannte Vertreter von Greenpeace, Campact, BUND, Fridays for Future, Robin Wood und weitere Persönlichkeiten. Die Veranstaltung der Dannieltern begann um 14 Uhr am Sportplatz in Dannenrod. Ihre gesammelten Nikolauspäckchen wurden mit einer Pferdekutsche und einem Laternenmarsch in den Wald gebracht.

Solidaritätsaktion: „Nikolaus trifft Danni“

Dem Aufruf der Dannieltern und Parents for Future, ein Nikolauspäckchen mit einer persönlichen Grußbotschaft in den Danni zu schicken, wurde von vielen Menschen aus der gesamten Bundesrepublik gefolgt. Von Fehmarn bis Freiburg, von Dresden bis Düsseldorf gehen aktuell Sendungen ein. Seit letztem Samstag fährt der Dannenröder Postbote täglich eine Fuhre Pakete zur Annahmestelle in den Gasthof Jakob, gleich neben dem Solidaritätscamp des Wald-statt-Asphalt-Bündnisses. Bis heute sind bereits rund 300 Päckchen angekommen. Viele weitere wurden über die Mailadresse der Dannieltern auch persönlich angekündigt. Am Samstag 5. Dezember wird ein Fahrzeug der Hamburger Parents mit Päckchen und Spenden erwartet. Viele Menschen spenden zudem Geld, warme Winterkleidung, Handschuhe, Mützen und Wärmflaschen. Die Solidarität ist beeindruckend.

Mit der Nikolaus-Aktion wollten die Dannieltern, die Parents for Future und alle Freundinnen und Freunde des Dannenröder Forstes die Aktivisti der Waldbesetzung in besonderer Weise unterstützen und wertschätzen. Sie haben in den zurückliegenden 13 Monaten Unglaubliches geleistet, um angesichts der Klimakrise einen Wertewandel in der Gesellschaft anzustoßen. Dafür sind sie bis an ihre physischen und psychischen Grenzen gegangen. Angesichts der Tatsache, dass die Rodung der Trasse inzwischen bis auf hundert Meter abgeschlossen ist, es wurde Zeit, ihnen ganz persönlich Danke für ihr Engagement zu sagen!

In den letzten Monaten wurde die Besetzung des Danni zu einem Symbol für den Kampf gegen eine verfehlte Verkehrspolitik, die dem Pariser Klimaabkommen und dem weltweit vereinbarten 1,5-Grad-Ziel in keiner Weise gerecht wird. Die Dannieltern und Parents for Future werden die junge Generation auch weiterhin in ihrer berechtigten Forderung nach Klimagerechtigkeit und angemessenem politischen Handeln unterstützen.

Viele kamen am 6. Dezember 2020 in den Dannenröder Wald:

Für den Sonntagvormittag hatten sich mehrere prominente Vertreter*innen von Klimabewegung und Umweltverbänden, u.a. Antje Grothus, Klimaaktivistin aus dem Rheinland und Peter Wohlleben,Förster und Autor, angekündigt, um gemeinsam für eine klimagerechte Verkehrswende zu protestieren. Einige von ihnen wollen sich mit einer Aktion Zivilen Ungehorsams an den monatelangen Kämpfen für den Erhalt des Dannenröder Walds beteiligen.138


Der Protest geht auch nach der Räumung weiter

4. Dezeber 2020: Mittlerweile ist die geplante Trasse der A49 fast fertig geräumt und die Hebebühnen und Harvester erreichen die letzten und ältesten Baumhäuser, auf den riesigen alten Eichen und Buchen, im Herzen des Dannenröder Waldes. Noch immer ist der Widerstand ungebrochen.

Charlie Linde (WsA-Bündnis) sagt dazu: "Mit dem Baumhausdorf 'Oben' wird das Zuhause von Menschen zerstört.Über ein Jahr haben Aktivist*innen friedlich hier zusammen gelebt und eine Gesellschaft aufgebaut,die auf gegenseitigen Respekt gegenüber Mensch und Natur beruht. Gemeinsam haben sie u.a. eine große Gemeinschaftsküche, eine Waldbühne, einen Kletterspielplatz und eine eigene Stromversorgung mit Solarkollektoren aufgebaut. All dies wird nun für den sinnlosen Bau der A49 von Baggerschaufeln zertrümmert."

Am Samstag wird die Besetzung nochmals von hunderten Ende-Gelände-Aktivist*innen unterstützt. Gemeinsam gehen sie zu den Orten der Zerstörung und stoppen die Rodungs- und Räumungsarbeiten. Auch wenn es am Wochenende nicht mehr viele Strukturen zu verteidigen gibt, machen sie nochmals deutlich, dass die Besetzer*innen mit ihrem Widerstand nicht allein sind.

Der Danni bleibt ein bedeutendes Zeichen im Kampf für Klimagerechtigkeit und die radikale Verkehrswende

Am Montag ruft Extinction Rebellion zu weiteren Protesten gegen den Bau der A49 auf. Mit der'Operation Ruprecht' bringen sie einen Tag nach Nikolaus jedoch sicher keine Geschenke für die Verantwortlichen, denn die Zerstörung von Ökosystemen und unserer Lebensgrundlagen im Dannenröder Wald sowie die verfehlte Verkehrswende sind ein Skandal, der nicht hingenommenwerden kann.

Am Folgetag kündigt die Verkehrswende-Initiative 'Sand im Getriebe' Protest an. Genauere Informationen dazu folgen.

Das Aktionswochenende ist Teil der Wald statt Asphalt Aktionswoche vom 4. bis 12. Dezember 2020. Am 12. Dezember sind anlässlich des fünfjährigen Jubiläums des Pariser Klimaabkommens weitere Proteste an der Rodungsschneise vorgesehen. Geplant ist ein großer Schriftzug "Road to Paris?" auf der geplanten Autobahntrasse.

"Wenn unsere Politik nicht endlich den Mut aufbringt, klimaschädliche Verträge aufzukündigen, wird es nicht möglich sein, dass 1,5 Grad-Ziel zu erreichen. Der Bau der A49 ist ein Paradebeispiel dafür wie Lobbyinteressen vor Klimaschutz gestellt werden. Wer also in mitten der Klimakrise meint, noch neue Autobahnen bauen zu wollen, muss mit dem entschlossenen Widerstand der Klimagerechtigkeitsbewegung rechnen! Unser Kampf für eine radikale Verkehrswende geht weiter!", sagt Lilly Claudi vom Wald-statt-Asphalt Bündnis.

Quelle: Veranstalter, BUND Vogelsberg, Dannieltern, Wald statt Asphalt-Bündnis